Schaffet Recht dem Armen und der Waise und helfet dem Elenden und Dürftigen zum Recht. (Psalm 82,3)

Recht schaffen und vor der Not nicht die Augen verschließen, dazu ruft uns unser Glaube auf. Die biblischen Worte für Recht und für Recht schaffen nähern sich dabei dem an, was man als Heil umschreiben kann. In der Bibel steht das Wort Recht nicht selten neben dem Wort „Schalom“ – Heil –, welches das gute Leben, die Fülle des Lebens bezeichnet. Beim „Recht schaffen“ geht es darum, dass Recht wiederhergestellt wird und ein gestörter Zustand zu Recht kommt. Menschen sollen untereinander oder mit Gott versöhnt und wieder zusammengebracht werden. Es geht um das Zusammenleben in der einen Welt. Der Glaube will Mut machen, dafür auch Raum zu schaffen. Wie kann es in dieser Welt mit Recht zugehen, wenn einem großen Teil der Menschen Unrecht zustößt?

Wie aber kann Recht geschaffen werden? Moralische Aufrufe allein reichen nicht. Es braucht auch rechtliche Grundlagen und Rechtssicherheit, die sich dem nähern, was im 82. Psalm ausgesprochen wird.

Die italienische Waldenserkirche wurde im September 2019 gemeinsam mit anderen Partnern mit dem regionalen Nansen-Preis des UNHCR für die sogenannten „Humanitären Korridore“ ausgezeichnet. Diese ermöglichen, dass besonders verletzliche geflüchtete Menschen auf sicherem Wege Schutz in anderen Ländern finden – ohne Schlepper, ohne gefährliche Überfahrt. Die Waldenserkirche und ihre ökumenischen Partner haben vorgemacht, wie das geht. Die neu gewählte Moderatorin der Waldenserkirche, Alessandra Trotta, sprach vor Kurzem vor der Hauptversammlung des Gustav-Adolf-Werks in Deutschland und betonte: „Wo Menschenrechte verletzt werden, wird auch die Menschenwürde infrage gestellt. Es ist heutzutage schwieriger geworden, diese Erkenntnis zu vermitteln. Aber es lohnt sich, den falschen Narrativen des Populismus, die die Welt in ‚wir‘ und ‚ihr‘ teilen, etwas entgegenzusetzen. Wir müssen Recht schaffen, dem Recht Raum geben und nicht den ‚Rechten‘.“

Dazu sind wir alle aufgerufen, die Rechte aller Menschen zu achten und unser Möglichstes zu tun, um zu helfen. Der Glaube will dafür den Blick weiten und weiß, dass wir alle letztlich bedürftig sind und angewiesen auf Hilfe.

Pfarrer Enno Haaks, Generalsekretär des Gustav-Adolf-Werkes

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