Schon wieder Advent

Während ich nach dem Karton greife, in dem die Deko-Sachen für die Adventszeit verwahrt sind, kommt es mir vor, als hätte ich erst vor Kurzem alles sorgfältig verpackt. Aber ein Blick zu den Fenstern in der Nachbarschaft zeigt mir, es ist an der Zeit, Sterne und Lichterketten ins Fenster zu hängen, den Adventsleuchter auf den Tisch zu stellen und grüne Zweige für die Wohnung zu besorgen.

Stück für Stück packe ich den Karton aus und komme mir dabei wie in einer Zeitschleife vor. Als ich das letzte Mal den Adventsleuchter auf den Tisch gestellt habe, hatte ich die Hoffnung, im nächsten Jahr könnte alles wieder „normal“ sein. Aber jetzt?  Wieder ist das Adventskonzert abgesagt, die Weihnachtsfeier abgesagt und das Treffen mit Freunden sage ich ab; besser ist es in diesen Tagen.
Mir wird klar, wie viele freie Abende plötzlich vor mir liegen.  Was werde ich alles an diesen freien Adventsabenden machen können? Briefe schreiben und den Küchenschrank aufräumen, Bücher lesen und die Abstellkammer entrümpeln, Plätzchen backen und vielleicht sogar Stollen…

Unterdessen brennt die Kerze auf dem Adventsleuchter und für heute lasse ich die Vorhaben beiseite und entscheide mich fürs Sitzenbleiben. Ich sehe der Kerze beim Flackern zu und finde mich unversehens in einer adventlichen Grundstimmung wieder: Warten und auf das Licht schauen. Mehr braucht es nicht.

Schon wieder Advent. Gott sei Dank!

Christiane Dohrn
Pfarrerin der Ev.-Luth. Kirchgemeinde im Leipziger Süden

Foto: Lotz