Schweigen ist Gold

„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“. Kennen Sie das alte Sprichwort? Vielleicht haben Sie es auch selber schon verwendet. Es meint: Schweigen kann ein Gewinn sein. Stille kann wertvoller sein als tausend Worte. Darin aufgehoben ist die menschliche Erfahrung: Im Schweigen liegt etwas Heilsames. In der Stille kann wachsen, was uns hält und trägt.

Heute ist Karsamstag. Die Älteren unter uns kennen den Tag vielleicht noch als den “stillen Samstag“. Die Worte „Karfreitag“ und „Karsamstag“ erzählen von ihrer Bedeutung: „Kara“ heißt Klage, Kummer, Trauer. Der Karsamstag also ein Tag, der Zeit und Raum gibt, Stille zuzulassen. Meine Freundin Lea hat mir in ihrer Ostergruß-Mail geschrieben: „Ich habe mir in diesem Jahr vorgenommen, den Karsamstag ganz bewusst für mich zu genießen. Ich möchte die Schönheit des Tages in seiner Stille erfahren. Mal keine Ablenkung durch Internet, Fernsehen oder Radio. Vielleicht mache ich einen Waldspaziergang und höre auf das Singen der Vögel, fühle die wärmende Sonne und bestaune die erwachende Natur. In der Stille möchte ich in mich hineinhören; mich an das Schöne in meinem Leben erinnern; nachspüren, was mir Kraft gibt und was mich eher mutlos macht.“

Heilsame Stille finden. Das Getöse des Alltags hinter sich lassen. Wieder spüren, was bei allen Unsicherheiten und Ängsten hält und trägt. Das kann auch der Glaube daran sein, dass Gott um unsere Wunden weiß und wir uns auf ihn verlassen können.

Ich nehme mir vor, Lea in der Osterwoche anzurufen. Dann können wir miteinander teilen, was wir in Stille und Schweigen entdeckt haben, und natürlich auch unsere Osterfreude!

Elke Bucksch, Pfarrerin an der Evangelisch Reformierten Kirche zu Leipzig

 

Foto: epd_Bild