Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet! (Römer 12,12)

„Bitte – lass uns zusammen beten!“, forderte mich Yassine zum Schluss meines Besuches bei ihm in der Psychiatrie auf. Wenige Tage zuvor war er wegen akuter Suizidgefahr eingeliefert worden. Zum Glück! So war er erst einmal geschützt. Yassine hatte panische Angst. Plötzlich hatte Polizei vor seiner Tür gestanden: „Das Flugzeug wartet schon“, so die Auskunft. Nur dass Yassine nicht da war. Er war nach der Arbeit zu seiner Lebensgefährtin gegangen. Ein Glück. Sonst wäre er an diesem Tag in seine Heimat Tunesien abgeschoben worden. Doch als Christ ist er dort nicht sicher. Seine Familie lehnt ihn ab, weil er als Konvertit für sie eine Zumutung ist. Wo soll er hin? Für ihn ist Tunesien kein sicheres Herkunftsland, sondern eine Bedrohung an Leib und Leben. Anfang Juni erzählte auch die LVZ die Geschichte von Yassine B.

Es ist eine Geschichte, die erkennbar und spürbar bedrückend ist. Sein Asylantrag wurde in mehreren Instanzen abgelehnt. Angeblich ist er auch kein Härtefall. Wieder einmal wird deutlich, dass die Situation von Mensch zu Mensch unterschiedlich und komplexer ist.

Gemeinsam fröhlich … – das waren wir immer mal wieder. Nach dem Gottesdienst in der Nikolaikirche, als er endlich einen festen Arbeitsvertrag erhalten hatte und stolz darauf war, Kirchensteuern zu zahlen. Fröhlich waren wir, wenn wir Zeit auf ein Bier fanden. Aber die Angst kehrte immer wieder zurück, wenn erneut eine Ablehnung kam. Die Trübsal steigerte sich mit der drohenden Abschiebung ins Unermessliche. Geduldig sein … – Wie? Ohnmächtig … – Ja!

Bei meinem Besuch in der Psychiatrie bat er mich in seiner gefühlt unermesslichen Ohnmacht: „Bitte – lass uns beten!“ Yassine, der Verzweifelte, musste mich daran erinnern: Wir können etwas tun, in aller Ohnmacht. Beten auf jeden Fall. Und dann hoffen, dass sich gegen alle Verzweiflung dennoch etwas bewegt. Und dass wir in Hoffnung bleiben können, dass es Sinn hat, was wir tun. Und dass es EINEN gibt – Gott –, bei dem all unsere Trübsal einen Ort hat.

Pfarrer Enno Haaks, Generalsekretär des Gustav-Adolf-Werk e.V.

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