Servus, Grüezi und Hallo!
Michael Brugger über Grenzen
„Papa, was bedeutet dieses Schild?“ fragt unsere Tochter, als uns auf der A9 Goethe und Schiller im Freistaat Thüringen begrüßen und auch, als uns die Republik Österreich willkommen heißt. „Ist München ein Land?“, „Warum spricht man eigentlich italienisch?“.
Im Urlaub überschreitet man leicht Grenzen: Landesgrenzen, Staatsgrenzen, Sprachgrenzen. Für unsere Tochter ist das dieses Jahr verwirrend. Beim Erklären komme ich ins Schwitzen und stelle wieder fest: Grenzen sind Kopf-Geburten. Linien auf der Karte, irgendwann gezogen von Menschen. Mittlerweile, zumindest für uns Urlauber, meist nur noch Schild, nicht Schranke.
Von den Grenzen auf der Karte schweifen meine Gedanken zu den menschlichen Grenzen. Die je eigenen Grenzen sind Herz-Geburten. Jeder zieht sie anders, jenseits der körperlichen sind sie nicht sichtbar. Deshalb müssen auch sie markiert werden: „Achtung – hier beginnt ein anderer Mensch!“ Ein Schild wie dieses gibt es in vielen Sprachen und vielen Designs. Es will wahrgenommen und respektiert werden. Wir tun gut daran, Grenzen auszusprechen und Grenzen zu achten.
„Was bedeutet dieses Schild?“ Die Frage unserer Tochter hilft in der Begegnung mit den Grenzen des Gegenübers und auch mit den eigenen – damit am Ende ein Willkommen steht und keine Schranke.
Michael Brugger ist Krankenhausseelsorger im Klinikum Sankt Georg Leipzig
Foto: Pixabay




