„Siehe, dein König kommt zu Dir, ein Gerechter und ein Helfer“ (Sach. 9,9a)

Es ist eine Aufbruchszeit, in die hinein der Prophet Sacharja 520 v. Chr. das Wort Gottes verkündigt. Die nach Babylonien ins Exil geführten Menschen aus Juda und Israel sind nach 50 Jahren zurückgekehrt. Nun steht der Wiederaufbau an. – Tatsächlich sind zur Zeit des Sacharja seit der Rückkehr aus dem Exil schon wieder zwei Jahrzehnte vergangen. Vielleicht fragen sich die Menschen ja, was aus dem Neuanfang geworden ist, oder ob er sich im Klein-Klein des Alltags verloren hat.

Ich erinnere mich an das Lichtfest in Leipzig am 9. Oktober 2019. Welche frohe Stimmung, welche Freude über den Herbst 1989 und das daraus Erwachsene. – So recht will gar nicht dazu passen, was ich sonst auch wahrnehme: Frustration, Enttäuschung darüber, dass „es“ alles „irgendwie anders“ geworden ist. Und greift da nicht hier und dort die Sehnsucht nach einer Führungsperson um sich, die alles ins wirklich rechte Lot rücken soll?

Mit dem Heroldsruf „Der König kommt“ verkündet Sacharja die Wende zum Guten: Ein Gerechter, ein Helfer, ein Friedensbringer wird kommen, der den Kriegsbogen zerbricht und dessen Friedensreich bis an die Enden der Erde reicht. – Diese Vision nimmt das Neue Testament auf; in dieser Tradition steht die Erzählung, dass Jesus auf einem Esel in Jerusalem einreitet: Hosianna, gelobt sei Gott!

Aufgewachsen in einer Demokratie fällt es mir schwer, das Heil bei einer starken Führungsperson zu finden. Vielmehr sehe ich uns selbst zur Mitarbeit gerufen: in Beteiligung, in Partizipation sehe ich den Weg zur Heilung.

Pfarrer Ravinder Salooja, Direktor Evangelisch-Lutherisches Missionswerk Leipzig e.V.

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