Sind die Lichter angezündet

Erstaunlicherweise überrascht mich der Advent jedes Jahr wieder. Er kommt immer zu früh und wird immer zu einer Zerreißprobe zwischen meiner Vorstellung, wie ich mir diese Zeit wünsche (besinnlich, gemütlich, friedlich) und der Realität, wie ich sie erlebe (erschöpft, gehetzt, immer etwas zu spät).

Ganz anders habe ich den Advent als Kind erfahren. Er war eine Zeit mit einer ganz eigenen Stimmung sowie Speisen und Tätigkeiten, die es nur dann gab. Nicht zu vergessen die Düfte und Aromen. Herrnhuter Stern, Schwippbogen und Adventskranz verwandelten die Wohnung. Plätzchen backen mit Mama und Oma – was für eine Freude für mich als Sechsjährige. Und dieser fantastische Duft von Räucherkerzchen… Der Advent war zudem eine Zeit des Wartens und der Ungewissheit. Die Zeit bis Weihnachten zog sich unendlich lang hin und eine Frage wurde immer drängender: Werden meine Wünsche in Erfüllung gehen?

Jedes Jahr wieder nehme ich mir vor, den Advent ein bisschen mehr so zu gestalten, wie ich ihn in meiner Kindheit erlebt habe. Und jedes Jahr bin ich mir dabei selbst das größte Hindernis. Dabei bin ich die Herrin über meinen Kalender und kann jetzt entscheiden, wie viel Raum die Anforderungen von außen an mich erhalten. Ich entscheide, wie viel Zeit ich mir nehme. Für mich. Und für den Zauber des Advents.

von Monika Lesch, Katholische Gemeindereferentin

 

Foto: Lutz Neumeier (fundus-media)