Soviel Schaum vorm Mund

Von Krisen muss ich nicht schreiben. Davon berichten andere Seiten der Zeitung. Aber, was tun? Wie könnte ich mitten in der Unübersichtlichkeit unserer Weltlage Frieden stiften? Das sollte ich doch, sagt Jesus. Manchmal schweige ich. Sonst versuche ich es, so wie andere auch: informieren, demonstrieren, engagieren, na klar – auch beten.

Mich verwirren Gesprächspartner, die jetzt genau Bescheid wissen. Allein-Schuldige nennen sie beim Namen. Mit bemerkenswertem Schaum vor dem Mund. Sie kennen die Lösungen. Allerdings würden diese von den Mächtigen ignoriert. Sie meinen aus Dummheit, Machtgier, kriminellem Vorsatz. Dann steigt im Gespräch mehr Dampf auf, als damals bei den Corona-Diskussionen.

Ich fürchte, dass wieder Gruben gegraben werden, in die wir miteinander fallen. Gräben quer durch Gespräche, Freundschaften, Familien, unsere Gesellschaft. Das mag um der Wahrheit willen im Extremfall nicht zu verhindern sein. Beängstigend aber, wenn es zum Stil wird. Wenn Verunsicherung das Miteinander zerfurcht.

Mir leuchtet die biblische Weisheit ein, dass jeder Mensch eine Würde hat. Von Gott gesetzt, vom Mitmenschen zu achten. Auch bei Meinungsunterschieden. Für mich sind die Bewahrung von Gesprächskultur und die Achtung vor dem Andersdenkenden das erste, das naheliegende Friedensstiften.

Wolfgang Menz, Sozialpädagoge, der sonntags in die Kirche geht

 

Foto: Pixabay