Stille Nacht, heilige Nacht?

Gehören Sie zu den Menschen, die Heilig Abend in die Kirche gehen? Und wünschen Sie es sich, dass bei „Stille Nacht“ das große Licht ausgemacht wird und nur noch die Kerzen leuchten? Vielleicht gehen Sie in die Kirche wegen der Kinder oder Enkelkinder, weil sie beim Krippenspiel mitspielen. Oder die Menschen, die neben Ihnen sitzen, kommen, weil es irgendwie dazu gehört, an früher erinnert. Da war doch mal etwas, etwas Schönes. Oder Menschen gehen an diesem Tag in die Kirche, weil da hoffentlich noch so ein bisschen was von heiler Welt ist. Ahnen Sie, dass das eigentlich gar nicht so ist? Maria bekommt ein uneheliches Kind. Was das damals in der Gesellschaft bedeutet hat? Schwanger vom Geist Gottes? Joseph möchte am liebsten abhauen, so erzählt es die Bibel, die Situation hinter sich lassen. Gar nicht so heilig, dass „traute hochheilige Paar“. Und damit vielleicht gar nicht so weit entfernt davon, wie es in manchen Familien von uns am Heiligen Abend aussieht. Und doch ist es in diesem Stall irgendwie heilig. Weil Gott mit da ist. In diesem Kind in der Krippe. Dort, wo Gott ist, ist etwas heil, kann etwas heil werden. Also, kommen Sie morgen in die Kirchen. Und lassen Sie uns zusammen singen: „Stille Nacht, heilige Nacht“. Licht dabei aus ist in diesem Jahr doch super passend. Eine gesegnete, frohe Weihnacht!

von Grit Markert, Pfarrerin im evangelisch-lutherischen Alesius-Kirchspiel im Leipziger Osten und Coach

 

Foto: Luca Peter (fundus-media)