Über ausgesprochene Schweine

von Wolfgang Menz

„Diese Schweine haben unsere Fliesen eingetreten!“ rief ich wütend. Es liegt Jahre zurück. Gerade hatten wir unser Jugendhaus eröffnet. Und nun dieser Undank unserer Besucher!

„Es sind Jugendliche. Keine Schweine,“ mäßigte mein Kollege im Jugendclub meinen Zorn. Das saß, weil es traf. Beim Nachrichtenlesen kommt mir derzeit diese Mahnung zur Bewahrung von Wahrheit und Würde wieder in Erinnerung. Gewalt bleibt nach wie vor intolerabel. Aber Menschen, auch gewalttätige, sind Menschen. Trotzdem. Wo kämen wir sonst hin?

Daher widerstrebt mir das Verstecken von Menschenwürde hinter harmlos klingenden Formulierungen. Z. B. wenn Gegner „liquidiert“ werden. Den brutalen Sinn verhüllend meint es, dass Menschen umgebracht wurden. Täglich werden die Zahlen erfolgreich (?) „ausgeschalteter“ Gegner verkündet – getöteter und verletzter in einer anonymen Summe. Wo sind wir hingekommen?

Ich habe – zugegeben – nur wenig Möglichkeiten, mich gegen den Wandel der Sprache und Macht zu wehren, aber ich will doch wenigstens ehrlich hören, was mit mir und meinen Mitmenschen geschieht. Es sickert sonst eine Gewöhnung an die Missachtung der unveräußerbaren Menschenwürde ein. Das sollten wir auf keinen Fall hinnehmen – um Gottes und uns Menschen willen.

Wolfgang Menz ist Sozialpädagoge

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Foto: Pixabay