Umwälzungen

Ein Mehr von Fahrrädern. Besuch in den Niederlanden: Hier sehe ich, wie in der Stadt die Verkehrswende schon längst passiert ist. Innenstadt und Wohnviertel in Groningen sind in erster Linie für Fußgänger und Radfahrer da. Dass die Niederlande im wirtschaftlichen Ruin enden, weil es Tempo-Limit und Vorrang für Radfahrer vor PS-starken Karossen gibt, ist nicht zu erkennen. Leipzigs Bemühungen in Verkehrsfragen finde ich gut. Aber auch mir geht es zu langsam.

Wir erleben aktuell Umbrüche in vielen Bereichen. Die Politik ruft aktuell Themen auf wie industrielle Landwirtschaft, Digitalisierung, Abschaffung des Bargelds, Verkehrswende, Geschlechtergerechtigkeit, Energiewende etc. In einigen Punkten wird in dieser Woche klar, dass wir wohl statt Umwälzungen kleine Schritte bekommen.

Und auch bei uns in der katholischen Kirche stehen große Veränderungen an – oder vielleicht eine Katastrophe, wenn keine erfolgen. Ich habe keine Ahnung, wo wir in fünf Jahren stehen werden.

Veränderung bedeutet den Untergang, befürchten die einen. Sie fürchten abgehängt zu werden, ihr Land und ihr Leben nicht mehr wiederzuerkennen. Anderen geht alles nicht schnell und nicht radikal genug. Heilsversprechen werden an zweifelhafte Projekte geknüpft. Eine Vermittlung über die Gräben hinweg scheint oft unmöglich.

Diese Vermittlung zwischen den Menschen allerdings ist das, was die Nachfolge Jesu von den Christen verlangt.

von Stephan Radig, katholischer Theologe und Journalist

 

Foto: Lehmann