Und der November trägt den Trauerflor…

Der November ist der Monat der Gedenktage: Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag und Totensonntag. Die dunkle Jahreszeit trägt viel zur nachdenklichen Stimmung bei. Das persönliche Leben unter dem Zeichen der Vergänglichkeit zu sehen, fällt vielen schwer. Hieß es zu Luthers Zeiten „Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen“, so findet dieser heute nur noch im PC-Spiel oder auf dem Fernsehbildschirm statt. Ansonsten wird er aus dem Alltag ausgeklammert, weg geschoben in die Pflegeheime, Hospize und Intensivstationen. Und wenn doch einmal der Tod, sei es durch Krankheit, Unfall oder Gewalttat, in unseren Alltag einbricht, reagieren wir häufig mit Abwehr, suchen Schuldige oder sind völlig verzweifelt.

Ein jegliches hat seine Zeit, sagt dagegen die Bibel. Die Dichterin Hilde Domin hat in der Natur ein Gleichnis entdeckt, das im Vergehen auch das Werden sieht.

„Es knospt unter den Blättern.
Das nennen sie Herbst.“

Für mich sind diese Zeilen ein Fingerzeig, wie wir mit Sterben und Tod als Teil des Lebens umgehen können. Wir sehen immer nur das Negative, weil unser Blick so eingeschränkt ist. Für Christen hat Jesus den Blick geöffnet durch seine Auferstehung. Wir vertrauen darauf, dass der Tod nicht alles zerstört, sondern dass Gott selbst aus dem furchtbarsten Tod einen neuen Anfang schaffen kann. So kann ich auch getrost durch den November und seine Gedenktage gehen.

Uta Gerhardt, Schulpfarrerin im Kirchenbezirk Leipzig

Foto: Okapia