„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ – diese Worte stammen von Hermann Hesse. Es sind Zeilen aus seinem Gedicht „Stufen“. Darin geht es um die verschiedenen Lebensabschnitte eines Menschen, die jeder von uns durchschreitet. Und damit sind nicht nur Geburt, Einschulung, Arbeit und Tod gemeint. Das wäre ja langweilig. Zwischendrin ist unser Leben so facettenreich, sodass wir immer wieder viele kleine – und manchmal auch große – Neuanfänge haben. Und das ist es, was das eigentliche Leben ausmacht.

Ich denke da zum Beispiel an meinen besten Freund, der nach vielen Jahren endlich eine Stelle in seinem Traumjob bekommen hat. Oder meine 64-jährige Nachbarin, die sich nach vielen Jahren des Alleinseins Hals über Kopf verliebt hat. Nach einer gescheiterten Ehe ist das das Beste, was ihr passieren konnte, wie sie selbst sagt.

Oder meine Freundin, die gerade seit einer Woche ihren Sohn in den Armen hält. Auch, wenn sie und ihr Mann nach unzähligen Versuchen schon nicht mehr daran geglaubt hatten. Doch ihr unerschütterlicher Glaube daran hielt sie nicht davon ab, sich jahrelang der Prozedur einer künstlichen Befruchtung mit allen Höhen und Tiefen auszusetzen.

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Solche Anfänge haben wir viele in unserem Leben. Denn Leben bedeutet nicht Stillstand, sondern Bewegung. Und zwar vom Anfang bis zum Ende. Nicht nur bei meinem besten Freund, der Nachbarin und meiner Freundin, die mir nahe stehen. Sondern bei jedem von uns.

Maxi Konang, evangelische Kirchenredakteurin bei HITRADIO RTL und Radio Leipzig

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