… und wir leben!

„Inschallah!“ ruft mir der junge Mann entgegen, als ich durch die Ladentür trete und ihm ein gutes neues Jahr wünsche. Dabei hebt er die Arme und sein Blick geht kurz nach oben. Gut sieht er aus und schick ist er gekleidet am ersten Arbeitstag 2022. Breit lächelnd hört er sich meine Bitte an und zaubert mit großer Geste das von mir gesuchte Ladegerät unter dem Ladentisch hervor. Selbst meine EC-Karte reicht er mir mit einem eleganten Schwung zurück und winkt zum Abschied.

Meine ersten Schritte draußen sind unsicher. Was ich eben erlebt habe, hat mich unerwartet erwischt. Ich hatte mich eigentlich ganz gut eingerichtet in einer miesepetrigen Jahresanfangsstimmung. Die mir selbst sehr einleuchtete. Auch in den nächsten Wochen und Monaten werden wegen der Omikron-Variante Planungen schwierig bleiben. Wer weiß, wie lange die Schulen noch geöffnet sind. Wie sonst üblich um Neujahr das erste Mal über den Sommerurlaub zu sprechen erscheint undenkbar. Von den schwierigen Arbeitsbedingungen gar nicht zu reden.

Der junge Mann hat mir im Laden mit dem Ruf „Inschallah!“ geantwortet. Es könnte doch gut sein, dass seine entspannte Lebenshaltung auch mit diesen Worten zu tun hat – die mir als Christ ja nicht unbekannt sind. In den Kirchen wird am Neujahrstag ein Bibelvers vorgelesen, der zu einem über Jahrhunderte hierzulande geläufigen Abschiedsgruß wurde: „So Gott will und wir leben!“ Ich werde ihn wieder öfter sagen. Mal sehen, ob sich etwas verändert.

von Lüder Laskowski, evangelischer Pfarrer, Pfarrstelle für „Kirchliche Arbeit in neuen Stadtquartieren“

 

Foto: Lehmann