Verborgenes sichtbar werden lassen

Eines der höchsten Güter in unserem gesellschaftlichen Miteinander ist die Aufmerksamkeit anderer. Wir setzen sie gleich mit Lob, Bewunderung und Selbstbestätigung, den Energiespendern unserer Seele. Warum legen wir so viel Wert auf Äußeres? Warum kaufen sich erfolgreiche Männer teures Rasierwasser? Warum schminken sich Frauen?

Man möchte auffallen. Unser Outfit hat großen Anteil daran, wie wir von anderen wahrgenommen werden. Allerdings kann der erste Eindruck täuschen. Wer nicht weiß, dass Mark Zuckerbergs unscheinbare graue T-Shirts teure Maßanfertigungen sind, läuft Gefahr, am modischen Sachverstand des Facebook-Chefs zu zweifeln.

Ich finde, eitel zu sein, hat zunächst mal was Angenehmes. Wer Wert auf sein Äußeres legt, wirkt auf seine Mitmenschen angenehmer. Der christliche Glaube verurteilt das nicht. Gott kennt uns, auch wenn wir uns im Spiegel – bekleidet oder nackt – oft fremd bleiben. Er liebt uns sogar mit Tränensäcken.

Der Wert eines Menschen hängt nicht nur von seiner äußerlichen Erscheinung ab. Da gibt es eine Innenseite, die viel Verborgenes in sich trägt. Was einen Menschen spannend für andere macht, sind die charakterlichen Qualitäten – Eigenschaften, die jeden von uns einzigartig erscheinen lassen. „Der Mensch sieht was vor Augen ist, aber der Herr sieht das Herz an.“

Vielleicht sollten wir uns gerade in der gegenwärtig schwierigen Zeit mehr auf dieses Wesentliche im Inneren eines Menschen besinnen. Die Außenseite, die wir zeigen und idealisieren, hat keinen dauerhaften Bestand. Auch „Germany‘s Next Topmodel“ wird einmal Falten bekommen…

Wolfgang Erler, Prädikant der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens

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