Verloren?

Nein, es geht nicht um die Fußball-WM, die ist noch offen. Verloren ging aus unserer Sicht die Abstimmung in der Kirchenbezirkssynode, dem evangelischen Kirchenparlament. Nun soll es neue Zusammenschlüsse von Kirchgemeinden geben. Unser Kirchenvorstand ist geschlossen dagegen, weil wir große Schwierigkeiten kommen sehen. Die Entscheidung wurde demokratisch gefasst, das ist in Ordnung so. Aber wie gehen wir jetzt mit den Beschlüssen und miteinander um?

Martin Luther schreibt: „Wir sind es doch nicht, die da die Kirche erhalten könnten, unsere Vorfahren sind es auch nicht gewesen, unsere Nachkommen werden’s auch nicht sein, sondern der ist’s gewesen, ist’s noch und wird’s sein, der da spricht: ‚Siehe, ich bin bei euch bis an der Welt Ende’.“ Möge Jesus uns dieses Vertrauen und die Aufmerksamkeit füreinander stärken.

Blickt man ins Ausland, ist erhellend, dass sich anderswo die Lutheraner völlig frei eins von vier Gemeindemodellen wählen können. Das Erste ist die Gemeinde in Familiengröße, die etwa bis zu 100 Mitglieder zählt. Das zweite Modell besteht in der Größe, dass Hauptamtliche nach wenigen Jahren alle Mitglieder kennen können, was bei bis zu 900 Mitgliedern geht. Das Dritte ist das der Profilgemeinde, die bis zirka 5.000 Mitglieder zählt und das Vierte das der „Mega-Church“ mit bis zu 15.000 Mitgliedern. Was wäre für Sie die beste Form des Gemeindelebens? Wollen Sie den Zusammenhalt wie in einer Familie oder möchten Sie, dass die Pfarrerin Sie kennt? Ist Ihnen das nicht wichtig, aber ein bestimmtes Profil der Musik oder der Bibelauslegung, so würde die Profilgemeinde für Sie gut sein, die, wie auch die Mega-Kirche, mit zielgerichteten Angeboten wirbt.

Der aktuelle Beschluss der großen Verbünde bedeutet, dass Menschen mit all diesen verschiedenen Orientierungen in einer Kirchgemeinde leben sollen. Für diejenigen ist das kein Problem, die die Profilgemeinde oder „Mega-Church“ wählen würden. Aber was ist mit denen, die sich Gemeinde wie eine Familie wünschen oder die das Bedürfnis haben, dass der Pfarrer sie mit Namen anspricht? Ich bin gespannt, wie jetzt diese Herausforderung angepackt wird.

Helge Voigt, Pfarrer der Ev.-Luth. Sophienkirchgemeinde Leipzig

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