Schild mit der Aufschrift: Offen für Vielfalt

Vermächtnis

Pfarrerin Busch über Verantwortung in der Demokratie

Was soll später mal über uns gesagt werden?

Dass wir es nicht gewusst haben oder noch schlimmer es wider besseres Wissen haben geschehen lassen? Dass wir zu müde waren ob der Polykrise und deshalb nichts gemacht haben?

In der Schule habe ich mich manchmal gefragt, wie ein so unmenschliches und unheilvolles Handeln wie das der Faschisten im 3. Reich sich derart gesellschaftlich etablieren konnte. Warum ist kaum jemand aufgestanden – außer denen, deren Namen wir heute als Gerechte wie Märtyrer für uns vereinnahmen? Das hätten doch alle sehen müssen!

Wir sehen es. Spätestens seit den Recherchen des Netzwerkes Correktiv kann niemand mehr sagen: er oder sie hat es nicht gewusst oder hat es nicht kommen sehen!

Spätestens jetzt ist klar: wehret den Anfängen ist vorbei. Wir sind mittendrin, die demokratischen Errungenschaften und Einsichten aus der Shoa, der großen menschengemachten Katastrophe, gegen die neuen Faschist*innen zu verteidigen.

Ich wünsche mir mit Worten von Christina Brudereck, dass mal später über unsere Generation gesagt wird:

„Sie waren großzügig. Gastfreundlich…Sie setzten nicht auf Gewalt, Vorurteile, Abgrenzung. Sondern als die Solidarität sank, haben sie widersprochen. Als die Welten sich immer mehr trennten, wurden sie nicht müde, an die gemeinsame Würde aller Menschen zu erinnern. Sie waren beherzt. Sie stifteten Gemeinschaft… Sie zogen sich nicht zurück ins Private. Fröhlich öffneten sie ihre Häuser. Sie schenkten.

Sie hofften, auch für andere mit. Sie hatten gute Geschichten zu erzählen. Und schöne Lieder zu singen. Sie wussten um Trotzkraft.“

Pfarrerin Anna-Maria Busch, Pfarrerin im Leipziger Südosten

Kontakt: kolumne@kirche-leipzig.de

 

Foto: Ralf-Uwe Beck (fundus-medien)