Vermögen, Talente, Möglichkeiten

Wenn Bankberater vom Vermögen sprechen, meinen sie in der Regel Geld und Besitz.
Im Duden steht unter „Vermögen“: die Kraft oder Fähigkeit, etwas zu tun – und dann auch wieder: Geld und Besitz.

Ein bisschen altmodisch klingt es ja:
Vermögen Sie mich zu unterstützen?
Vermagst du Klavier zu spielen?
oder: Als ich krank war, vermochte ich kaum aufzustehen.

Das Vermögen als Begabung oder Fähigkeit und das Vermögen als Besitz – beide eröffnen Möglichkeiten. Vor langer Zeit galt das auch für den Begriff „Talent“. Das war eine antike Währungseinheit. Und daraus wurde das Talent im heutigen Sinn von Begabung oder Können.

Jesus erzählt von drei Männern, denen ihr Chef Talente anvertraute; und sie sollten was draus machen. Zweien gelang es, das Vermögen zu verdoppeln. Der dritte tat lieber gar nichts, um bloß nichts falsch zu machen – worüber der Chef sehr wütend war.
In der Geschichte ging es Jesus nicht um Vermögenstipps wie einem Bankberater. Seine Botschaft: Was ihr habt oder könnt, das sind Gaben, die ihr nutzen sollt: Nicht um sie als Selbstzweck anzuhäufen oder für sich selbst zu horten, sondern: sie so einzusetzen, dass etwas Gutes draus wachsen kann.

Das gilt im materiellen und im persönlichen Sinn – also: für alles, womit mehr oder weniger vermögende Menschen es vermögen, etwas Gutes anzufangen.

Friederike Ursprung, evangelische Kirchenredakteurin

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