Viertagewoche

Wolfgang Menz zum Freitag ohne richtige Arbeit

„Ich mach mir da so meine Gedanken. Wo soll das alles hinführen?“ „Die jungen Leute wollen ja gar nicht mehr richtig arbeiten. Viertagewoche oder Teilzeit.“ „Wir waren freitags noch bis 16 Uhr im Betrieb. Das ist bei denen nicht mehr drin.“ „Wo doch überall Arbeitskräfte fehlen. Was wird nur aus unserer Gesellschaft? …“

Der beste Freund meines Sohnes gehört auch zu denen. Nur noch vier Tage im Job. Nun ist er uns zufällig an seinem freien Tag über den Weg gelaufen. Wir wollten gerade verreisen. Stehen neben unseren Taschen auf dem Bahnsteig. Er trägt einen Koffer. Es war gar nicht sein Koffer. Auch nicht sein Beruf. Keine Frau an seiner Seite. Diesmal ein Mann. Der hält sich an seiner Schulter fest, ist blind. Und zu verdienen war dabei auch nichts. Nicht einmal die Jacke gehörte ihm. Die leiht ihm die Bahnhofsmission, wenn er hier freitags ehrenamtlich hilft.

Ich mache mir da so meine Gedanken. Wo soll das hinführen? Was wird nur aus unserer Gesellschaft. Wenn das nun alle so machen würden?

Wolfgang Menz, Sozialpädagoge

Kontakt: kolumne@kirche-leipzig.de

 

Foto: Tobias Frick (fundus-medien)