Vom Fehldruck zum Fundstück

von Gregor Heidbrink

Auch wenn alle Welt raus zur Messe fährt, nach neuen Büchern schaut und auf ein Selfie mit Daniela Katzenberger hofft – ich bekenne, mich macht oft schon der Eingang der Buchhandlung glücklich. Dort steht der Tisch mit den preisreduzierten Mängelexemplaren. Bei Lichte betrachtet weisen diese Bücher alle nur denselben einen Mangel auf: Sie haben sich nicht verkauft. Vom Bestseller zum Bettvorleger.
Verlagsgeschäft ist getrieben von Hoffnung und Erwartung. Hohe Auflagen rentieren sich nur mit Glück, Gespür oder Daniela Katzenberger.

Am Ende geht es den Büchern wie den Leuten: Sie werden links liegengelassen oder als Mängelexemplar eingestuft. Dabei haben sie gar nichts falsch gemacht. Nur halt: Die Erwartungen dritter nicht erfüllt.

Doch: Wenn andere nicht gesehen haben, was in dir steckt, deine Geschichte schien nicht interessant, deine Skills nicht relevant und du wurdest abgestempelt – sagt das nicht mehr über die anderen als über dich? Vielleicht fehlt nur der Blick für wahre Juwelen?

Ich finde es erhebend zu stöbern, zu schauen und meinen Fund zu genießen! Und genauso: Deine zweite Chance mag kommen, mit jemandem, der dich zu schätzen weiß. Ich weiß, da gibt es einen, der sich nicht von Äußerlichkeiten blenden lässt. Sondern der auf das Innere schaut. Und der sagt: Willkommen, mein Kind!

In den richtigen Augen bist du kein Mängelexemplar, sondern eine reine Sensation!

Gregor Heidbrink, Missionsdirektor des Diakonischen Werkes Innere Mission Leipzig e.V.

E-Mail an Autor schreiben

 

Mängelexemplar, Foto: Kirchenbezirk Leipzig