Vom Klingeln bei Vertrauten
von Wolfgang Menz
Es klingelt an der Tür. Ich öffne. Vor mir steht eine Nachbarin. Sie überbringt mir Grüße von einer gemeinsamen Bekannten, der es derzeit nicht gut ginge. Wir kennen uns aus der Kirchgemeinde. Wie wohltuend, wenn einer vom anderen weiß und Nähe möglich und gewünscht ist. Solche vertrauten Brücken bestehen auch in der Familie, unter Kollegen und Freunden. Ohne dieses Miteinander wären wir arm – arm dran.
Was für das Persönliche gilt, ist auch das Zusammenleben im Großen wichtig. Gerade erleben wir doch, wie sich das Band zwischen verbündeten Staaten lockern kann. Verlässliches löst sich auf, Unsicherheit, Unverständnis bis zu kritischer Distanz treten an ihre Stelle.
Ich weiß nicht, was sich Gott dabei gedacht hat, dass die Gesundheit meiner Bekannten so dramatisch ins Wanken geraten ist. Auch nicht, warum so viele unbeherrschbare Krisen gleichzeitig zugelassen werden.
Ich rechne allerdings damit, dass Gott nicht wegschaut. Sich vielmehr mittendrin aufhält. Gemeinschaft durch dick und dünn anbietet – meiner Bekannten und mir in meiner Ratlosigkeit.
Darum klingele ich auch. Gewissermaßen an Gottes Tür. Richte ihm Grüße von meiner Bekannten aus. Und von unserer Welt, die alleine nicht mehr zurechtkommt. Wir kennen uns doch auch. Wohltuend, dass diese Nähe möglich und gewünscht ist.
Wolfgang Menz ist Sozialpädagoge
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