Von der Glückseligkeit

„Ich bin selig.“ So spricht ein Mensch, der mit seiner Situation völlig im Einklang ist. Aus den Worten klingt Zufriedenheit. Da passt gerade alles zusammen: Erfolg, Wohlergehen und Dankbarkeit. „Selig“ lässt sich am besten mit „glücklich“ umschreiben. Wenn uns etwas selig macht, sind wir beglückt.

Heute können Sie Menschen begegnen, die über sich sagen: „Wir sind selig.“ Hinter ihnen liegt eine lange Zeit der Planung, des Ringens und der Arbeit. Vor ihnen aber stand immer das Ziel: die Erneuerung und Ergänzung der Glockenanlage für die Nikolaikirche in Leipzig. Mit dem Gottesdienst zur Glockenweihe, am Sonnabend, 29. Juni, 14 Uhr, sind sie ihrem Vorhaben ein ganzes Stück näher gekommen. Denn nun sind sie hier, die sechs neu gegossenen Glocken. Gemeinsam mit zwei „alten Schwestern“ stehen sie bis morgen auf dem Nikolaikirchhof. Der Anblick dieser kunstvoll verzierten Bronzeglocken lässt zufriedene Gesichter zurück. Da darf man schon mal selig werden.

Beim genauen Betrachten der Glocken lässt sich sogar das Wort „selig“ entziffern. Der Leipziger Künstler Tobias-David Albert hat für die kleineren Glocken eine eigene Schrift entworfen, um den Worten Bedeutung zu verleihen. „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ steht auf der kleinsten. Davon können die Akteure hinter dem Glockenprojekt ein Lied singen. Ohne ihren Glauben an die Vollendung bliebe die Wiederherstellung des Geläutes ein schöner Traum. Auf einer anderen Glocke lässt sich entziffern: „Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.“ Das klingt vertraut. So hat Jesus in seiner Bergpredigt gesprochen, die mit den sogenannten Seligpreisungen eröffnet wird. Sie gehören zum festen Bestandteil der Friedensgebete in der Nikolaikirche. Von daher liegt es nahe, dass ihre Glocken zur Seligkeit – zum Glück – anstiften sollen. Ihr Klang, der ab dem 9. Oktober zu hören sein wird, lädt die Menschen zum Hören auf Gottes Wort ein. „Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren“, hält es uns die große Glocke mit ihrer deutlichen Keilschrift entgegen.

Kommen Sie doch vorbei, um das Geläut der Nikolaikirche in Augenschein zu nehmen. Dieses Jahrhundertereignis ist einzigartig und wird auch Sie selig machen.

Pfarrer Bernhard Stief, Kirchgemeinde St. Nikolai

Foto: pixabay, Lars Hoffmann