Vor Freude strahlen …

Die unscheinbarsten Dinge beginnen auf einmal zu strahlen, wenn in diesen Tagen die Frühlingssonne auf sie fällt. Betreten erstrahlen Fußwege. Leuchtend wärmen sich Straßenkreuzungen. Graue Gebäudefassaden blinzeln in die funkelnden Kanäle Leipzigs.

Selbst die noch abgedeckten Tische eines noch geschlossenen Cafés strahlen einladend. Hier und dort zeigt sich die Kraft des Lichtes in zaghaft blühenden Schneeglöckchen, Märzenbechern und ersten zarten Bärlauchblättern im Auwald.

Noch ist nichts gewonnen, ab und zu schiebt sich drohend eine dunkle Wolke vor die Sonne und macht diesen verheißungsvollen Glanz zunichte.

Und wie passen wir ins Bild? Laufen wir noch wie zugedeckt und erstarrt durch die Straßen und durchs Leben? Was bringt uns Menschen eigentlich zum Strahlen? Ich weiß, das Strahlen fällt Vielen in dieser Zeit nicht so leicht. Noch zu ungewiss sind die Aussichten.

Der morgige Sonntag trägt im Kalender des Kirchenjahres den Namen „Lätare“ – „Freut euch“. Ein kleines Osterfest, so heißt es, mitten in der Passionszeit. Klar, Freude kann man nicht verschreiben und nicht anordnen. Aber Freude ist ansteckend! Vielleicht gelingt es ja doch, dass wir uns anstecken lassen von den strahlenden Wegen und Fassaden, von Vögeln und Schneeglöckchen, von den Worten im Gottesdienst. Von all dem, was um uns herum schon (vor Freude) strahlt.

Markus Franz, Hochschul- und Studierendenpfarrer, Evangelische Studierendengemeinde Leipzig

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