Was bleibt?

Die Bilder aus Butscha vom vergangenen Sonntag zeigen die wahren Schrecken eines sinnlosen Krieges: Es geht nicht mehr um das Opfer von Soldat*Innen – schlimm genug – sondern den Tod von Zivilist*Innen, von Männern, Frauen und Kindern, die in ihrem Alltag willkürlich und brutal aus dem Leben gerissen werden! Sinnlose Gewalt, unnötige Zerstörung – sie lösen in mir Trauer, Wut, Unverständnis und Zorn aus. Sie lähmen mich und machen mich hilflos. Dabei bin ich nur eine Beobachterin, hunderte Kilometer entfernt. Unvorstellbar, wie es den Schwestern, Brüder, Eltern und Kindern der Opfer gehen mag.

Angesichts dieser Szenarien stellt sich die Frage, wie Menschen einander so etwas antun können.

Und gläubige Menschen müssen sich die Frage stellen lassen, wie ein liebender Gott so etwas zulassen kann. Ich befürchte, die Grausamkeit der Menschen untereinander hat viel mit der Frage zu tun, ob ich mein Gegenüber auf Augenhöhe als gleichwertiges Mitglied der Menschheitsfamilie sehen kann. Das ist eine Frage für jeden von uns, jeden Tag neu. Und ich glaube daran, dass wir Menschen frei sind uns zu entscheiden, wie wir uns verhalten wollen. Der christlichen Überzeugung nach hat Gott sich in diesem Geschehen schon klar positioniert, er ist auf der Seite der Ohnmächtigen und der Leidenden. Die Frage an uns Menschen bleibt, wie wir uns dazu verhalten werden.

von Monika Lesch, Katholische Gemeindereferentin

 

Foto: epd_Bild