Was ist dir heilig?

Erinnern Sie sich noch an das WM-Finale 2006 in Berlin, als Zinédine Zidane seinen Kopfstoß austeilte? Wir müssen nicht darüber diskutieren, dass solche und jegliche Gewaltausbrüche völlig unakzeptabel sind. Aber doch hat es mich nachhaltig beschäftigt. Da hatte ein anderer eine „heilige Grenze“ überschritten. Er hatte Zidanes Schwester, die zu der Zeit gerade bei der kranken Mutter wohnte, schwer beleidigt. Familie, ein heiliges Gut. Das tut weh, wenn es beschmutzt wird. Wie geht es Ihnen damit? Was ist denn Ihr „heiliges Gut“?

Unsere Emmauskirche wurde letzte Woche auf schlimme Weise beschmutzt. Das hat uns auch wütend gemacht – und weh getan. Ein Ort der Ruhe, des Gebetes, der Musik. Gerade erst hatte Gerhard Schöne dort mit uns gesungen: Dona nobis pacem – gib uns Frieden. Und Frieden war zu spüren gewesen. Monate vorher, bei Ausbruch des Krieges, hatte Stilbruch ein Benefizkonzert für die Ukrainehilfe gegeben.

Am Reformationstag letzten Montag haben wir mit vielen Menschen an diesem Ort wieder Gottesdienst gefeiert, über den unfassbaren, immer wieder gnädigen, heiligen Gott nachgedacht, ihm nachgespürt, zu Gott gebetet.

Wer hält das gerade nicht aus, dass es solche kostbaren, sicheren, heiligen Orte gibt? Diese Kirche ist auch ein Ort des Gesprächs. Sei willkommen, Sie mit Ihrer, Du mit Deiner Geschichte, lasst uns reden!

Grit Markert
Pfarrerin im evangelisch-lutherischen Alesius-Kirchspiel im Leipziger Osten und Coach

 

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