Wenn Poller sprechen könnten

André Krause über Poller, Sicherheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt

Seit dem 4. Mai nehme ich sie bewusster wahr: die schweren Poller an Zufahrten und Eingängen unserer Innenstadt. Die Metallsäulen sollen schützen und Sicherheit vermitteln. Ich betrachte sie mit gemischten Gefühlen. Der Oberbürgermeister hat Recht mit seinem Satz: „Wir können unsere Stadt nicht zu einer Festung umbauen.“

Beim Lichtfest im vergangenen Oktober hatte die Künstlerin Anke Stiller einen Lichtweg im Schillerpark gestaltet. Rechts und links des Weges standen Tafeln mit den Begriffen: Vertrauen – Freiheit – Verantwortung. Darunter hatten Menschen unserer Stadt geschrieben oder gemalt, was diese Werte für sie bedeuten. Im Friedensgebet zuvor wurde ein Satz aus der Bibel zitiert: „Nehmt einander an.“

Es sind nicht Poller allein, die eine Stadt sicher machen. Wirklichen Halt geben Rücksicht, Nächstenliebe und die Fähigkeit, andere nicht sofort als Bedrohung wahrzunehmen. Vielleicht ließe sich dieser Gedanke sogar sichtbar machen. Warum sollten die Poller in unserer Innenstadt nicht künstlerisch gestaltet werden? Nicht nur als Sperren aus Metall, sondern als Erinnerungssäulen – gestaltet mit Farben und Worten wie Vertrauen, Freiheit, Respekt oder Solidarität.

Die Gefahr verschwindet dadurch nicht. Die Poller bleiben notwendig. Aber sie könnten mehr sein als bloße Schutzanlagen: sichtbare Zeichen dafür, wofür wir gemeinsam stehen.

André Krause ist Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde (Baptisten) Leipzig

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Foto: André Krause