Wie überzeugt man seinen inneren Schweinehund?

Sagen Sie mal, wie heißt Ihr innerer Schweinehund? Meiner heißt „eigentlich“. Eigentlich – wollte ich viel mehr Sport machen. Eigentlich – sollte ich schon lange meine Mutter anrufen. Aber eigentlich – habe ich dazu gar keine Lust. Die ganzen Aufgaben, An- und Aufforderungen kommen auf einen zu und man weiß ja auch, dass das alles wichtig ist. Aber man macht´s nicht. Warum nicht? Ganz einfach, wegen „eigentlich“! Der liegt faul in seiner Ecke und sobald irgendeine Aufforderung kommt, knurrt er zustimmend, schaut kurz hoch und dämmert dann doch weiter vor sich hin. Dabei weiß er ganz genau, dass das falsch ist. Aber diese Tatsache nimmt er gelassen hin.

So weit, so gut, „eigentlich“ nicht dramatisch. Nur bleibt durch dieses blöde „eigentlich“ so viel liegen, so viel ungetan und so viele enttäuschte Gesichter bei Freunden, Arbeitskollegen und in der Familie. Aber wie kommt man da raus? Wie überzeugt man seinen inneren Schweinehund? Gegen gutes Zureden und nachdrückliche Befehle ist er irgendwie immun, aber nicht gegen Begeisterung. Da steht er auf, wedelt mit dem Schwanz und springt los. Also Begeisterung tanken? Etwas, was aufhorchen lässt, mitreißt und in Bewegung bringt? Aber wie?

Ganz einfach: Morgen ist Sonntag, Christen feiern an diesem Tag, dass alles noch einmal neu anfangen kann, weil Jesus auferstanden ist. Und deshalb muss nicht immer alles beim Alten bleiben. Jeder Sonntag erzählt davon, dass wir Gott nicht egal sind. Dass er sich nach einer Beziehung mit uns sehnt und mit uns ins Gespräch kommen will. Das beginnt, wo jemand anfängt, mit Gott zu reden. Einfach so. Und wer es versucht, der merkt, er kommt nicht nur irgendwie zu Gott, sondern auch endlich zu sich selbst.

Sonntag heißt: Gott hat nichts gegen uns, wir sind ihm nicht egal, ganz im Gegenteil! Er gibt uns einen Tag frei. Einen Tag, um aufzuatmen, um rauszukommen. Und er steht uns mit Rat und Tat zur Seite. Gott will uns begegnen und begeistern und uns damit fit und stark für die neue Woche machen. Dazu laden die Gottesdienste in den Kirchen und Gemeinden unserer Stadt ein: Begeisterung für den Neustart wecken, damit nicht alles beim Alten bleibt.

In diesem Sinn, einen schönen Sonntag.

Reinhard Steeger, Gemeinschaftspastor LKG Leipzig

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