Wieder wachsen werden.

Erinnern Sie sich? Sie saßen auf einer Bank und es war Sommer. Neben Ihnen der Mensch, den Sie lieben über alles. Sie hören seine Stimme, spüren die Vertrautheit. Der warme Wind raschelt in den Bäumen. Im Profil betrachten Sie Nase, Lippen, Kinn, die geschwungenen Augenbrauen neben sich. Sie meinen das Antlitz schon ewig zu kennen. Sie möchten es nie wieder hergeben.

Wer weiß, wie lange das her ist. In erinnerte Bilder von großem Glück schleicht sich oft ein wehmütiger Schmerz. Manchmal sticht der schon, wenn die Seele noch hüpft. Ineinander verschlungen sind blühendes Leben und Vergänglichkeit. Darüber wird heute, am „Tag der Geburt des Johannes“, in Andachten auf den Friedhöfen in Sachsen nachgedacht. Ab dem längsten Tag auf dem Höhepunkt des Naturjahres werden die Tage kürzer und die Natur zieht sich wieder zurück.

Diese Beobachtung wird verbunden mit einem Satz Johannes des Täufers, der auf Jesus zeigte und sagte: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ Johannes tröstet, dass sich in Jesus, entgegen aller natürlicher Erfahrung, der Tod ins Leben auflösen wird. Heute liegt in jedem Glück bereits ein wenig Abschied und Vergänglichkeit. Ob Sie sich den Garten ansehen oder an die Bank erinnern, einen wertvollen Menschen neben sich. Aber diese beiden, Abschied und Vergänglichkeit, sind nicht für immer.

von Lüder Laskowski, Pfarrstelle für „Kirchliche Arbeit in neuen Stadtquartieren“

 

Foto: Lehmann