Wir haben die Wahl…

Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche. Jesus hatte seinen Jüngern eine  Kraft „von oben“ verheißen, die sie durchdringen würde, um die Welt in seinem Geiste zu gestalten. Die Jünger erfahren diesen Geist zu Pfingsten als Kraft, die kulturelle und sprachliche Grenzen zu überwinden weiß. Menschen „aus allen Völkern unter dem Himmel“ hören die Jünger in ihren eigenen Sprachen reden. Wie immer, wenn etwas Neues und Unerwartetes geschieht, macht das Angst: Was soll das werden? Sind die betrunken? Zu ungewohnt ist dieses Geschehen, das einen zwangsläufig dazu bringt, sich auf das Andere, Fremde einzulassen – und auf das Verbindende zu achten und nicht auf das Trennende. Der Heilige Geist wird also erst einmal beschrieben als Gegenkraft gegen alle Haltungen, die auf Abgrenzung setzen und betonen, dass etwas oder jemand nicht dazugehöre.

Pfingsten stellt uns vor die Frage: In welchem Geist wollen wir leben und worauf wollen wir bauen: Auf einen Geist der Abgrenzung? Oder auf einen Geist, der sich zunächst einmal um jeden bemüht – und die Nähe zu ihm sucht? Es ist die Frage, wovon wir uns bestimmen lassen wollen, denn meistens findet sich in uns ja beides. An einer anderen pfingstlichen Stelle der Bibel, im 8. Kapitel des Römerbriefs, werden zwei Zugänge zum Leben unterschieden: der „nach dem Fleisch“ und der „nach dem Geist“. Ersterer ist der Versuch, aus sich selbst alles schöpfen zu wollen bzw. Garant seiner selbst zu sein. Bei diesem Weg kommt das Scheitern, Schuldigwerden und Nichtgenügen nicht vor: Es darf nicht sein. Dieser Zugang zum Leben, so Paulus, führt in die Enge bzw. die Angst, die sich abgrenzt – möglicherweise auch von demjenigen mit einem anderen Lebensentwurf. Den anderen Lebenszugang beschreibt Paulus als „Leben nach dem Geist“. Hier ist man überzeugt: Ich muss mich nicht selbst erschaffen. Was mein Leben trägt, ist unabhängig von mir da und ich bekomme umsonst Anteil daran. Paulus sagt: Ihr habt Gottes Geist in Euch, der alles Leben schafft und es jeden Tag erhält. So sind wir immer schon mehr als die, die wir meinen, werden zu müssen. In welchem Geist wollen wir leben? Wir haben die Wahl…

Pfarrerin Britta Taddiken, Kirchgemeinde St. Thomas

Foto: Lotz