Wir sind Hoffnung. Wir sind Zuflucht. Wir sind Vielfalt. Ja, es funktioniert!

Auf den Plakaten für das Friedensgebet des Stadtökumenekreises zu den diesjährigen interkulturellen Wochen (am 24.9., 17 Uhr in der Nikolaikirche) ist eine deutsche Fahne zu sehen. In die Fahne hineingeschrieben stehen die Sätze: „Wir sind Hoffnung. Wir sind Zuflucht. Wir sind Vielfalt.“ Passt das zusammen? Warum eigentlich nicht?

Sicher gibt es immer wieder laute, prominente und medial sehr stark repräsentierte Stimmen, die versuchen, Migration ausschließlich als Problem darzustellen. Da wird die Integration für gescheitert erklärt. Da wird ein multikulturelles, multireligiöses und friedliches Zusammenleben als reine Utopie hingestellt. Da werden Ängste geschürt und Klischees bedient, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zum Normalzustand erklärt. Und dies geschieht immer vehementer und aggressiver bis hin zur Gewalttätigkeit. Aber wird es dadurch auch wahrer und richtiger?

Was nehmen wir wahr?

In Leipzig, aber auch deutschlandweit betrachtet, waren in den letzten Jahren deutlich mehr Menschen für ein friedliches Zusammenleben und eine offene Gesellschaft auf der Straße als dagegen. Deutschlandweit haben zehntausende Menschen beispielsweise für die Seenotrettung im Mittelmeer demonstriert. Täglich setzen sich viele Menschen für Integration und Flüchtlingshilfe ehrenamtlich oder durch Spenden ein. Statistiken über bestandene Sprachprüfungen, erfolgreiche Ausbildungsplatz- oder Arbeitsplatzsuche, etc. schaffen es selten auf die Titelseiten. Dennoch gibt es da immer wieder viel Positives zu berichten. Alltägliche Dinge, wie gute Nachbarschaften, gewachsene Freundschaften oder bereichernde Begegnungen fallen vollkommen durch das mediale Raster. Dennoch gibt es eine große Mehrheit von Menschen, die in ihrem Alltag immer wieder zeigen, dass es funktioniert: „Wir sind Hoffnung. Wir sind Zuflucht. Wir sind Vielfalt.“ Sie stehen für die Stärke einer offenen Kultur, die auch Probleme bei der Integration angehen und bewältigen kann. Sie sind oft zu leise. Sie greifen keine JournalistInnen an. Sie provozieren nicht durch Hetzparolen. Sie bekommen kaum Besuch von PolitikerInnen, die ihre Sorgen ernst nehmen. Aber sie sind viele und sie sind es wert endlich stärker gehört und gesehen zu werden!

Pfarrer Sebastian Keller, Erlöserkirchgemeinde Thonberg

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