Wir sollten vorbereitet sein

Noch vor Silvester lagen an den Sammelplätzen Haufen von Weihnachtsbäumen. Für viele Leipziger war Weihnachten am 26. Dezember vorbei. Für diejenigen von uns, die mit dem Kirchenjahr leben, ging Weihnachten frühestens am Mittwoch zu Ende, dem Fest Epiphanie, oder morgen mit dem Fest Taufe des Herrn.

An diesem so seltsamen Weihnachtsfest und dieser Weihnachtszeit ab dem 25. Dezember habe ich mich mehr noch als in den vergangenen Jahren gefragt, woher all dieses Sentimentale bis oft Kitschige kommt, das für viele Weihnachten ausmacht. Wie kam es, dass Weihnachten mit so viel sentimentalem Ballast aufgeladen wurde, mit süßlichen Liedern, niedlicher Dekoration usw.

Sicher, in den Kirchengesangbüchern stehen auch manche alte Lieder mit Verniedlichungen. Aber die Texte aus der Bibel, die in den Tagen von Weihnachten bis Epiphanie gelesen werden, behandeln alles andere als niedliche Begebenheiten. Ja, die frohe Botschaft heißt: Gott zeigt sich ausgerechnet in einem kleinen, schwachen Kind. Aber dazu heißt es: Ein Volk stöhnt unter einer Besatzungsmacht. Da findet das Paar für die Hochschwangere keine Unterkunft. Bald flüchtet die junge Familie, weil Mord und Totschlag drohen.

Jetzt wäre die Zeit für eine Rückschau: Was sollte vielleicht künftig an Weihnachten anders werden? Denn davon bin ich überzeugt: Das nächste „normale“ Weihnachten kommt bestimmt. Wir sollten vorbereitet sein.

von Stephan Radig, katholischer Theologe und Online-Redakteur St. Benno Verlag

Foto: Lena Voswinkel