Zeit der Schöpfung 2020: Jubeljahr für die Erde

Vor 14 Tagen gab es eine gute Nachricht in schwierigen Zeiten: Der Erdüberlastungstag, der Tag, an dem weltweit die jährlich nachwachsenden Ressourcen verbraucht sind, ist um drei Wochen nach hinten gerückt auf den 19. August. Lag dieser Tag in den 1970ern noch im Dezember, war er 2019 bereits am 29. Juli. Das sei allein der Corona-Pandemie geschuldet, heißt es in der Erklärung von Germanwatch. Besteht dennoch Hoffnung für eine Trendwende in unserem Wirtschaften und Energieverbrauch?

Dass wir leben, als hätten wir drei oder noch mehr Erden zur Verfügung, ist keine Erkenntnis, die erst Fridays for Future ans Licht gebracht hätte. Die Kirchen weltweit haben mit dem sog. Konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung schon seit Anfang der 1980er Jahre zu einem bewussten Umgang mit der Natur angeregt. 1989 rief der Patriarch von Konstantinopel, Oberhaupt der orthodoxen Christen, alle Christen zu einem Gebetstag für die Schöpfung auf. Dieser ökumenische Schöpfungstag wird in den europäischen Kirchen am ersten Freitag im September begangen. Darüber hinaus wird vom 1.9. bis 4.10., dem Tag des Franz von Assisi, zu einer besonderen Schöpfungszeit eingeladen. Es ist die Zeit der Erntedankfeste. Das Lob des Schöpfers verbindet sich mit dem Nachdenken darüber, wie wir unser Leben in unserem gemeinsamen Zuhause nachhaltiger gestalten können. In vielen Kirchgemeinden gibt es bereits Initiativen zu fairem Handel, Umweltschutz und alternativen Wirtschaftsformen, z.B. den „Grünen Hahn“ oder www.anders-wachsen.de.

Die Frage, wie wir nach Corona leben wollen, ist eine Frage an unser aller Zukunft. Wir dürfen nicht weiter Raubbau an der Erde betreiben. Sie braucht dringend eine Zeit der Ruhe und Erholung: ein Jubel- bzw. Erlassjahr, von dem schon die Bibel spricht. Damit sind allerdings nicht nur 365 Tage Verzicht gemeint, sondern unser aller Umdenken und Umkehr zu einem anderen, sparsameren Lebensstil.

Uta Gerhardt, Schulpfarrerin im Kirchenbezirk Leipzig

Foto: Okapia