„Advent“

Morgen feiern wir den 1. Advent. Lichter, Räucherkerzen, Weihnachtsmarkt, Zusammensein mit Freunden oder der Familie – das sind für viele Menschen die „Zutaten“ zum Advent. Gerade in unserer verunsichernden Zeit sehnen sich viele nach einem besonderen Gefühl der Zusammengehörigkeit und Geborgenheit.

Doch dann gibt es Menschen, die finden kaum etwas von dem, was auch sie suchen:

Sie leben in zunehmender Armut, immer wieder auch sozial ausgegrenzt. Manche haben aus unterschiedlichen Gründen den Halt in ihrem Leben verloren. Andere vereinsamen im Alter. Wieder andere fliehen vor Krieg, Perspektivlosigkeit und Elend und kommen zu uns. Spannungen entstehen zwischen verschiedenen Gruppen von Menschen.

Auf diesem Hintergrund wird schnell der Ruf nach den politisch Verantwortlichen laut. Dies ist prinzipiell richtig, denn diese Menschen wurden gewählt, um möglichst gute Rahmenbedingungen für unser Zusammenleben zu gestalten. Doch reicht das?

Morgen feiern wir den 1. Advent. Advent bedeutet in unserer Sprache „Ankunft“.

Schon vor 2000 Jahren erwarteten Menschen die Ankunft eines besonderen Königs, eines Messias. Er sollte die schwierigen Verhältnisse bessern. Doch Christen sagten: Jesus, dessen Geburt wir zu Weihnachten feiern, er ist der, der da erwartet wurde.

Allerdings: Er redete und handelte auf nicht alltägliche Weise. Er grenzte Menschen nicht aus, sondern sprach denen einen Wert zu, die das Gefühl hatten, nur im Wege zu stehen. Er gab Menschen Lebensperspektiven, die sich selbst schon aufgegeben hatten. Er sprach Worte wie: „Alles, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch“. Nur eins tat er nicht: Mit Gewalt Unrecht durch neues Unrecht zu ersetzen.

Immer wieder haben sich Menschen an ihm orientiert. Sie haben nicht nur gefragt: Was kann irgendjemand „da oben“ tun? Sie haben auch gefragt: Was kann ich tun, dass unser Zusammenleben besser gelingt, dass Spannungen abgebaut werden, dass Hoffnungslose neue Lebensperspektiven bekommen?

Auch heute gibt es an vielen Stellen unserer Stadt Menschen, die in diesem Sinne tätig sind. Sie setzen ihre Zeit, ihre Ideen und manchmal auch ihr Geld ein, um andere zu unterstützen. Letztlich tragen sie das Licht dessen weiter, das der, der zu Weihnachten geboren wurde, in unsere Welt gebracht hat. Ich wünsche uns viel von diesem Licht – in der kommenden Adventszeit, aber auch weit darüber hinaus.

Pfarrer Christian Kreusel, Direktor des Diakonischen Werkes Innere Mission Leipzig e. V.

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