Er ist wieder da…

Seit Weihnachten war er weg. Jetzt ist er wieder da. Der Engel. Die Botschaft ist die Gleiche: Damals auf dem Feld bei den Hirten, als diese von der Geburt Jesu Christi erfuhren: „Fürchtet euch nicht!“ Jetzt, als die Frauen zum Grab kamen, um dem toten Jesus die letzte Ehre zu erweisen und das Grab leer war: Er rief: „Fürchtet euch nicht!“ Auch diese Botschaft des Engels hatte wieder Folgen: Damals gingen die Hirten los, und sie fanden den neugeborenen Heiland.

Diesmal gingen die Frauen los, die erschüttert am leeren Grab standen. Hier war etwas passiert, was sie bis ins Innerste berührte. Es waren die Worte des Engels, die sie in ihre Erschütterung hinein hörten: „Fürchtet euch nicht. Jesus lebt.“ Verstanden haben sie nicht, was da passiert war. Aber ihre Erstarrung über das leere Grab und den toten Jesus bekam Risse.
„Fürchtet euch nicht. Jesus lebt.“ bedeutete auf einmal: Denkt doch mal ganz anders. Bisher hattet ihr Jesus sichtbar zum Greifen nah. Er war nur für euch, die ihr persönlich mit ihm Umgang hattet, da. Jetzt ist er unsichtbar und doch erfahrbar, ganz anders zum Greifen nah. Jetzt ist er wieder da – Jesus. Jetzt haben auf einmal alle die Chance, ihn zu erfahren, zu spüren, mit ihm zu leben. Nicht nur die exklusive Gruppe um ihn herum. Geht los und erzählt das weiter. Und vor allem: lasst euch von dieser Erfahrung nicht abbringen, lasst sie euch nicht ausreden. „Fürchtet euch nicht.“ Sie gingen los. Ihre Botschaft wurde gehört und bis heute weitererzählt. Er ist wieder da – Jesus, das ist die Botschaft von Ostern.

Ungreifbar, schwer verstehbar, aber erfahrbar. Wie die Frauen, die Jünger, Menschen bis in die heutige Zeit, die ihrem Leben dadurch eine neue Wendung geben konnten. Einfach ist das nicht. Aber gut, dass auch er wieder da war – der Engel, denn er macht uns Mut und sagt: „Fürchtet euch nicht!“

Pfarrerin Ines Schmidt
Kirchgemeinde Leipzig-Leutzsch und Flughafenseelsorge Flughafen Leipzig-Halle

Foto: Eberhard Grossgasteiger, unsplash.com

Courage erweckt zum Leben

Kennen Sie Mutter Courage? Wenn Nein, können Sie hier Mut schöpfen. Wenn Ja, wissen Sie schon um die Chance der Unerschrockenheit. Bertold Brecht erzählt… Aber wie komme ich eigentlich darauf? Es könnt‘ an der Welt liegen und meinem Beunruhigtsein über manche Gefahr für das friedliche Zusammenleben.

Im Dreißigjährigen Krieg schleichen sich nachts feindliche Truppen an, um die Stadt Halle zu überfallen. Auf einem Bauernhof außerhalb zwingen sie den Sohn der Bauersleut, ihnen den Weg zu zeigen. Der Bauer entdeckt das feindliche Heer, das zum Angriff auf die Stadt rüstet. Die Stadt ist verloren! Was tun? Wenn wir doch mehr wären. Wir können nix machen.

Was bleibt? Ach ja, beten kann man immer. Sie knien nieder und beten. Die Bauersleut und die stumme Katrin, Tochter einer Händlerin, die bei ihnen gerade übernachtet. Gott, helfen kannst nur du. Wir können ja nix machen.

Katrin holt die Trommel aus ihrem Wagen, steigt aufs Dach, zieht die Leiter hoch und beginnt laut zu trommeln, um die Stadt aus ihrem tödlichen Schlaf zu wecken. Sie hört trotz Drohungen nicht auf. Die stumme Katrin trommelt immer lauter. Die Bäuerin:  Hast du kein Mitleid mit uns? Sie werden uns töten! Ihre Trommel scheint zu rufen: Das hab‘ ich doch, aber mit der ganzen Stadt. Die Soldaten: Hör auf und wir verschonen deine Mutter, die in der Stadt ist. Katrin trommelt. Sie wollen den Wagen mit all ihrem Besitz anzünden. Katrin trommelt. Da hört man die Sturmglocken der Stadt Halle. Die Stadt ist vom Schlaf erwacht und kann ihr Leben retten. Sie hat es geschafft. Die stumme Katrin war laut genug.

Wieso hat es das Gebet nicht geschafft? Weil es resigniert war und nichts erwartete. Katrin erkennt die Lage, bemerkt, dass Gebet nicht das Einzige ist. Es gibt immer eine Möglichkeit etwas zu tun, und ist sie noch so klein. Wachet und betet, so Jesus.

Courage, Mut, Unerschrockenheit brauchen wir auch heute.

Danke, liebe Schülerinnen und Schüler, dass Ihr auf die Straße geht. fridays for future. Ihr rüttelt uns wach: „Zerstört nicht unsere Zukunft. Macht endlich was.“ Hoffentlich wecken uns die Alarmglocken rechtzeitig auf. Oder greifen wir zur Trommel und tun am besten beides: wachsam sein und beten, jedoch erwartungsvoll.

Friedbert Fröhlich, Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche in Leipzig

Bild von Devanath auf Pixabay

Palach und Tschechien, da war doch was?

Jan Palach – eher zufällig fiel mein Blick auf der Leipziger Buchmesse auf ein unscheinbares Buch. Tschechien war das Gastland der diesjährigen Buchmesse. Palach und Tschechien, da war doch was?

Jan Palach, ein tschechischer Student, hatte sich im Januar 1969 selbst verbrannt, aus Protest gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings und gegen die kommunistische Diktatur. Knapp fünf Monate nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts in die Tschechoslowakei wollte er ein Zeichen setzen. Sein Protest richtete sich gegen die Rücknahme der Reformen der Regierung Alexander Dubčeks und die daraus folgende Lethargie und Hoffnungslosigkeit in der tschechoslowakischen Öffentlichkeit. 50 Jahre ist das her …

Jan Palach – sein Name steht auf einer Plakette, die an einer Kirchenbank in dem alten evangelischen Bethaus in Libiš hängt. Hier, in der Nähe von Prag, saß er kurz vor seiner Tat im Sonntagsgottesdienst. Er gehörte zur Gemeinde der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder. Auf dem Friedhof an der Kirche ist er beigesetzt. Was ihm wohl damals in der Kirche durch den Kopf ging? Was waren seine Gebete?

Das Buch mit Palachs Namen auf dem Deckel war „Dein Herz verbrannte nicht“ von Ingo Cesaro. Darin gibt es eine Passage zu seiner Beerdigung. Für die Menschen, die daran teilnahmen, war es eine Demonstration für Freiheit und Demokratie. „Besonders persönlich waren die Worte des evangelischen Pfarrers aus Libiš, Jakub Trojan, der einen Vers von Johannes variierte: ‚Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben gibt für seine Freunde.‘ Und anschließend sagte er zum Trost zu Jans erschöpfter Mutter, zu Jiri und zu Ilonka: Wenn Jenik das miterleben könnte, würde er wissen, dass sein Fanal verstanden worden ist.“

50 Jahre ist das her. Jan Palachs Tat gehört in die Reihe der Ereignisse, die 20 Jahre später zum Zusammenbruch der totalitären Staaten in Osteuropa führten. In diesem Jahr erinnern wir daran, was vor 30 Jahren geschah – an umwälzende Veränderungen, Aufbrüche, Hoffnungen und Sehnsüchte. Auf einmal waren die Grenzen weg. Und wenige Jahre später fuhr man ohne jede Grenzkontrollen durch ganz Europa. Welche Umwälzungen!

Und heute? An Menschen wie Jan Palach zu erinnern heißt heute: für Freiheit, Demokratie und ein friedliches Europa einzutreten. An ihn zu erinnern heißt, sich einsetzen, sich hingeben und dem Guten Raum geben. Und dies in der Hoffnung, dass es Sinn hat, was wir tun, ohne zu wissen, wie es ausgeht. So wie es im Johannesevangelium heißt: „Niemand hat eine größere Liebe als die, dass er sein Leben gibt für seine Freunde.“

Pfarrer Enno Haaks, Generalsekretär des Gustav-Adolf-Werkes Leipzig

Denkmal für Jan Palach und Jan Zajíc auf dem Wenzelsplatz in Prag vor dem Nationalmuseum, Foto: Bild von Iver_88 auf Pixabay

Die Unterbrechung der Unterbrechung

Am Sonntag wird nicht gefastet. Jedes Jahr aufs Neue bekomme ich mit diesem Spruch ungläubige
Gesichter zu sehen. Denn selbst bei solchen Mitmenschen, die von anderen als streng religiös
eingestuft werden, hat sich das noch nicht vollständig herumgesprochen. Manche von ihnen
empfinden das sogar als Verrat an ihren Bemühungen, in dieser Zeit bis Ostern auf Gewohntes, das
sie in Beschlag nimmt, zu verzichten und ihr alltägliches Leben zu unterbrechen und neu
auszurichten.

Nur wenn wir die die Sonntage nicht mitzählen, kommen wir von Aschermittwoch bis zu den
Feiertagen um Ostern auf die heiligen 40 Tage. Der Grund für die Ausnahme ist einfach: Jeder
Sonntag ist ein kleines Osterfest. Mir gefällt diese alte Regelung in den kirchlichen Bräuchen
ausgesprochen gut.

Natürlich sind wir nicht nicht dazu angehalten, die Fastenzeit aller sieben Tage durch Exzesse zu
unterbrechen. Diese Unterbrechung der Unterbrechung ist aber in mehrerer Hinsicht gut.
Sie zeigt uns, dass auch dieses religiöse Regelwerk, das das Jahr in verschiedene Zeiten mit
verschiedenen Prägungen und Feier- und Gedenktagen einteilt, keineswegs Unmenschliches von
uns verlangt, also z.B. keinen „religiösen Hochleistungssport“. Das alles ist für den Menschen da –
und in meinen Augen dadurch sehr sympathisch. Jesus hat es so formuliert: „Der Sabbat ist für den
Menschen da.“ Und so ist es auch mit dem Lauf des Jahres in der Kirche.

Weiterhin zeigt es uns auf, worum es bei dem, was wir Fasten nennen, eigentlich geht. Es geht um
eine Neuausrichtung unseres Lebens auf das wichtigste Ereignis für Christen: Es geht um Leiden,
Sterben und Auferstehung Jesu, um die Hoffnung und Zuversicht, die uns daraus erwächst. Das
dürfen wir bei all dem, was wir tun, auf keinen Fall aus den Augen verlieren.

Für mich folgt daraus aber noch etwas Wichtiges für die Zeiten außerhalb von Fastenzeit und
Osterzeit, also für die normalen Zeiten. Der Sonntag ist für alle, die sich Christen nennen, eine
Aufgabe. Wenn Arbeit, Konsum und all die anderen Dinge des Alltags uns die Sicht oder den Atem
nehmen, dann sollen wir uns spätestens an jedem Sonntag an das Geschehen von Ostern erinnern
und neu darauf ausrichten. Im ganzen Jahr.

Stephan Radig, Katholischer Theologe und Journalist

Foto: unsplash.com

Benötigt der Glaube Wunder?

Die Wunder der Natur lösen in uns eine erhabene Stimmung aus. Unerwartete Glücksmomente erfreuen unser Herz. Werdendes Leben wird von Eltern als unübertroffenes Wunder wahrgenommen. Ohne erlebte Wunder wäre doch unser Leben ziemlich fade.

Die Bibel ist voller wunderbarer Geschichten, die auch als Wundergeschichten erzählt werden. Mitunter wird dem Leser indirekt nahe gelegt, Gott könne die Naturgesetze außer Kraft setzen und somit das unerwartete, wundervolle Ereignis hervorrufen.

Die Sehnsucht der Menschen nach Wundern ist groß. So wird der Wunsch nach Wundern auch an Jesus herangetragen (Johannes 4, 46-53). Oft erfüllt Jesus diesen Wunsch, obwohl er ihn skeptisch für den Glauben sieht (Markus 8, 10-12). Andererseits sehen die Evangelisten in den Wundern Jesu auch seine göttliche Vollmacht (Markus 2, 6-12; 11, 27-33). Die Frage, inwieweit Gott in den Wundern Jesu gehandelt hat, werden die Menschen unterschiedlich beantworten. Jedenfalls erzeugt ein Wunder nicht automatisch eine Glaubensbiographie (Markus 6, 1-6).

Im Alten Testament heben die biblischen Zeugen insbesondere hervor, der Bund Gottes ist ewig (Psalm 105, 7-10). Gott hält sich an seine Gebote und Gesetze, selbst wenn sich die Menschen von Gott abwenden.

Warum sollte dann Gott seine von ihm geschaffenen Naturgesetze außer Kraft setzen? Dafür gibt es keinen plausiblen Grund. Ein solches Handeln Gottes könnte schnell als Willkür erscheinen. Dann wäre dem Menschen kaum noch zu vermitteln, warum er sich an die Gebote Gottes halten soll.

Die ewige Dimension der Gebote Gottes bedeutet jedoch nicht, sie sind völlig unflexibel und starr. Die Wahrheit Gottes entwickelt sich besonders im Vollzug seiner Barmherzigkeit.

Unser Glaube hat die Sehnsucht, durch ein Wunder die Richtigkeit des eigenen Glaubens zu erbringen und vielleicht sogar zu beweisen. Jedoch wird das Wunder des gelebten Glaubens von nachhaltigerer Wirkung sein, als es spektakuläre Ereignisse vermögen.

Wenn gelebter Glaube dort mit Liebe weitermacht, wo das wahrhaftige Leben zu Ende gehen droht, wo neue Lebensmöglichkeiten erschlossen werden, wo sich Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung entwickeln, da geschieht das eigentliche Wunder des Lebens. Dann werden das Leid, der Tod, das Böse in dieser Welt nicht das letzte Wort haben, sondern die gelebte Liebe wird neues sinnerfülltes Leben stiften. Dazu lädt uns der christliche Glaube ein, uns diesem Wunder des Lebens und des Glaubens aufmerksam zu öffnen.

Pfr. Dr. Reinhard Junghans, Studieninspektor am Evangelischen Studienhaus Leipzig

Foto: Pixabay

Fasten braucht kein Miesepeter-Gesicht

Wer jetzt während der Fastenzeit auf etwas verzichtet, hat bis Ostern noch fünf Wochen vor sich. Und für manche wird es irgendwann so richtig hart ohne Süßes, ohne Fleisch oder Alkohol oder ohne Social Media. Und vielleicht erzählen Sie Kollegen und Freunden Tag für Tag von Ihrem Fastenprojekt oder stöhnen ihnen manchmal auch was vor: Ach, wie ich dich um dein Schoko-Törtchen beneide – aber ich faste ja!!!

Solche Leute, die ihr Fasten mit extra miesepetrigem Gesicht zur Schau trugen, die gab es schon zu biblischen Zeiten – und Jesus ärgerte sich über sie: Je mehr Selbstkasteiung durch Fasten, je mieser drauf, desto gottgefälliger? Nein, so eine fromme Angeberei ist nur was für Heuchler, fand Jesus: Macht euer Fasten mit Gott aus, pflegt euch besonders für den Umgang mit Gott – aber nervt nicht eure Mitmenschen damit!

So ganz ist das wohl nicht zu machen – Fasten, ohne dass es jemand mitbekommt! Manchmal müssen Sie es ja schon aus rein praktischen Gründen erklären, dass sie mittags nicht mit zur Bratwurstbude kommen, warum sie abends in der Kneipe Apfelschorle statt Bier trinken, oder wegen Internet-Verzicht für Ihre Facebook-Freunde nicht erreichbar sind.

Und es kann sein, dass Sie ihre Erfahrungen mit jemandem teilen wollen: Welche vegetarischen Rezepte Sie ausprobieren, wie es funktioniert, beim Einkaufen Plastik zu vermeiden (oder auch nicht), oder auch: was Sie in Fastengruppen erleben oder bei Glaubens-Übungen, die manche Kirchgemeinden in der Fastenzeit anbieten. Problematisch wird es, wenn da mitschwingt: Ich bin besser als du: weil ich nämlich faste!

Dabei soll Fasten durchaus auch was mit anderen Menschen zu tun haben. Verzicht zu üben, Gewohntes auf dem Prüfstand zu stellen, herauszufinden, was wirklich wichtig ist – das alles soll mehr sein als eine Wellness-Übung für Leib und Seele. Dafür nennt die Bibel Beispiele. Gott gefällt es, wenn Fasten zur Gerechtigkeit beiträgt, sagt der Prophet Jesaja: wenn Menschen andere vom Unrecht befreien, mit den Hungrigen ihr Brot brechen, und wenn sie friedlich miteinander umgehen. Also: wenn es Ihnen und anderen durchs Fasten nicht schlechter geht – sondern besser!

Friederike Ursprung, evangelische Kirchenredakteurin Radio PSR

Grafik: Pfeffer

„Das ist ein Fasten, wie ich es liebe…“

Am Aschermittwoch  ist nicht alles vorbei, sondern der Beginn für neues Leben. Doch zunächst wird vielerorts am Aschermittwoch das Zeichen des Aschekreuzes auf die Stirn gezeichnet und dazu die Worte: „Gedenke Mensch du bist Staub und zu Staub kehrst du zurück.“

Asche ist Abfall, schmutzig, scheinbar wertlos. Asche steht auch für die Vergänglichkeit. Asche ist aber mehr, man kann damit reinigen und polieren und im Garten ist Asche ein Düngemittel. Asche unterstützt somit Wachstum und Leben. Und aus Asche erhebt sich der Sage nach der Vogel Phönix zu neuen Leben. Sprichwörtlich, wie Phönix aus der Asche beginnt neues Leben.

Wir Menschen leben in Spannungen und Gegensätzen, nach der Faschingszeit ist Fastenzeit, eine Zeit nicht nur, um in Sack und Asche zu gehen, sondern auch ist sie eine Zeit der Umkehr und Erneuerung. In der Bibel, bei Jesaja 58,6-8 wird der Sinn des Fastens so beschrieben:„Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die Obdachlosen und Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen.“

Fastenzeit ist somit viel mehr, als auf Essen und Trinken zu verzichten, es ist eine Zeit der Erneuerung. Es ist eine Zeit, gewohnte und eingefahrene Wege zu verlassen. Viele Ratgeber geben uns dazu Anregungen: Zeit verschenken, Zeit in der Natur verbringen und die Schöpfung beobachten, sich über die kleinen Dinge des Alltags freuen, Freude verschenken, weniger Essen und Trinken, Verzicht auf Auto und Fernsehen und den Umgang mit Handy und Smartphone, Verzicht auf Rechthaberei und Schimpfworte, Verzicht auf schlechte Laune, die Haltung der Dankbarkeit einzuüben.

Die Fastenzeit bedeutet für mich, mein Leben zu reinigen und zu polieren. Es hat etwas von Frühlingserwachen. Und ich liebe den Frühling, wo neues Leben erwacht, wie in der Natur, so auch in mir, ein Hauch von Frühling.

Pater Josef kleine Bornhorst, Dominikanerkloster Leipzig

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„Slowenien – Kommt, alles ist bereit!“ – Weltgebetstag 2019

„Kommt, alles ist bereit!“ Das ist eine Aufforderung und eine Einladung „Ihr könnt kommen, ich habe alles vorbereitet für Euch, damit es Euch gut geht.“ Doch was ist vorbreitet? Die Türen, die saniert werden und jetzt endlich fertig zum Streichen sind? Ist das Auto startklar für die Reise? Der Unterrichtsraum eingerichtet für die Schüler? Oder ist es die Einladung zu einem gemeinsamen Fest?
Die Frauen aus Slowenien, dem diesjährigen Weltgebetstagsland, schenken uns unter diesem Thema, den Gottesdienst, der wie in jedem Jahr am ersten Freitag im März gefeiert wird.

Slowenien ist ein junges Land, 1991 wurde es gegründet. All die Jahrhunderte davor war dieser Landstrich, in dem die Slowenen leben, immer unter anderer Herrschaft. Dies prägte sich tief in die Menschen ein, die sehr oft die Mägde und Knechte anderer waren. Gastfreundschaft wird in Slowenien hoch geschätzt, „Kommt, alles ist bereit!“ – ist eine Einladung zur Gemeinschaft.
In dem biblischen Text gibt es einen Hausherren, der seinen Gästen sagt: Jetzt ist alles für das Fest vorbereitet und ihr könnt kommen. Und die geladenen Gäste sagen der Reihe nach ab. So schickt er seinen Diener wiederum los, damit dieser die einlädt, die im Dorf nicht so zu den Angesagten gehören, die Kranken, die Bettler, … die, die immer etwas anders angeschaut werden. Und genau die kommen. Sie sind zwar erst etwas skeptisch, doch sie nehmen die Einladung an.

Wen laden wir ein? Für wen sind die Gruppen in unseren Gemeinden offen? Wo kann die Singlefrau hingehen, die weder zum Mütterkreis noch zum Ehepaarkreis passt? Wo ist keine „geschlossene Gesellschaft“? Der Hausherr in dem Bibeltext kann auch für Gott stehen. Gott, der auch und gerade für jene da ist, die von anderen „anders angeschaut“ werden. Gott, der zu uns sagt „Kommt, es ist alles bereit! Meine Liebe, meine Gnade für Dich, Mensch, ist da. Nimmst Du, Mensch, sie an?“ Viele haben Entschuldigungen dafür, warum es gerade jetzt nicht passt. Und überhaupt, ist dieser Gott nicht aus der Mode? „Kommt, es ist alles bereit!“ ist die Einladung von Gott an uns, ihn und seine Gnade anzunehmen.

Peggy Rühle, Reisereferentin der kirchlichen Frauenarbeit Sachsens

Foto: wgt_ev

Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder

Am 23. Februar ist der 120. Geburtstag von Erich Kästner. 1899 wurde er in Dresden geboren. Er zählte im zurückliegenden 20. Jahrhundert zu den bekanntesten Kinderbuchautoren Europas. Sein Kinderbuch „Emil und die Detektive“ wurde beispielsweise in 59 Sprachen übersetzt und erreichte Millionenauflagen. Andere Kinderbücher wie „Das fliegende Klassenzimmer“, „Pünktchen und Anton“ oder „Das doppelte Lottchen“ waren ähnlich beliebt und wurden inzwischen auch mehrfach verfilmt. Kinder sind in seinen Büchern diejenigen, welche Vieles schnell begreifen und klug handeln. Sie sind  jene, die den Dieb zu fassen kriegen (Emil und die Dedektive); Kinder sind bei Kästner auch jene, welche die Eltern letztlich zur Vernunft und zum richtigen Handeln bringen (Das doppelte Lottchen).

Ich selbst habe nicht nur als Kind immer wieder mal die Kästner-Bücher zur Hand genommen. Zuletzt las ich die Emil-Kriminalgeschichte wieder als es einen Film im Fernsehen zu diesem Thema gab. Und wie das Pfarrern oft passiert: Sie entdecken Parallelen in der Bibel. Hier dachte ich dann immer wieder an den Psalm 8, der auch der Kinder-Psalm genannt wird: „Herr, unser Herrscher, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde. Der du deine Hoheit gebreitet hast über den Himmel. Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge hast du ein Bollwerk errichtet wegen deiner Gegner, um zum Einhalten zu bringen Feind und Rächer.“ (PS 8, 2-4) Das passt, dachte ich mir, als ich dann wieder gespannt die Kinderbande um Emil begleitete, auf der Jagd nach dem Dieb.

Sicherlich, Kästner war eigentlich kein bekennender Christ oder auch ausdrücklich kein religiöser Mensch. Doch vielleicht hat er diesen Psalm doch gekannt. Er passt auf so viele seiner Kinderbücher und Heldengeschichten mit Kindern. Ja, diese Kleinen, aus der Sicht manches Erwachsenen so Unfertigen, noch nicht richtig handelnden Menschen. Diese werden bei Kästner zu Helden, rücken in den Mittelpunkt des Interesses.

„Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Und er nahm die Kinder in seine Arme, dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie.“ (Mk 10, 15-16) Bei Jesus von Nazareth war es ja ähnlich. Und in der biblischen Zeit spielten Kinder im gesellschaftlichen Leben überhaupt  keine Rolle. Deshalb ist der Psalm 8 auch so bemerkenswert.

Es geht in der Bibel, im Reden und Handeln Jesu, und natürlich auch bei Erich Kästner, um die Beachtung und Ehrung der Kinder als diejenigen, die gern im Alltagsbetrieb übersehen oder bei Seite geschoben werden. Heute nun, an diesem Ehren- und Gedenktag für Erich Kästner sollten wir nicht vergessen, dass eigentlich der hilfe- und schutzbedürftigste Teil von uns Menschen, die Kinder, immer auch selber zu Helfern und Schützern für uns werden können. Und ihre besondere Beachtung könnte für uns lebenswichtig sein.

Pfarrer Thomas Bohne, Liebfrauenkirche in Leipzig-Lindenau

Foto: Lehmann