Zurzeit verboten!!

Manches Wertvoll-Gute zeigt sich erst im Mangel. Oder besser: Erst im Mangel erkennen wir seine Bedeutung.​

Ich habe ihr Weinen noch im Ohr. Es war in einem Telefonat vor Weihnachten. Und mit Schluchzen bricht es aus meiner Mama heraus: „Dieses Jahr könnt ihr wohl nicht kommen…?!“

Es ist ein Satz, der in dieser Zeit wohl oft gesagt und gehört werden musste. Und in ihm fließen aller Schmerz und Trauer, alle Enttäuschung und alles Weinen zusammen: „Dieses Jahr könnt ihr wohl nicht kommen…“ In dieser Zeit ist alles anders. Das Alltägliche ist unterbrochen und zurzeit verboten.

Für meine Mama bedeutete das vor allem, dass wir nicht gemeinsam am Tisch um Gänsebraten und Klöße sitzen konnten, kein Geschnatter der Enkelkinder, kein Klirren der Gläser, kein Umarmen, nicht einmal ein Sehen von Angesicht zu Angesicht. Nein, dieses Jahr nicht. Dieses Jahr sitzen meine Eltern – wie so viele – allein da. Das gemeinsame Essen: In dieser Zeit der Entbehrungen zeigt sich dessen Bedeutung.

„Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“ (Lukasevangelium 13,29)

Dieses Losungswort für die Woche nimmt das gemeinsame Sitzen am Tisch als ein Hoffnungsbild auf und malt damit eine Zukunftsvision. Es ist für uns ein Trostwort, welches über manche Zeit hinweghilft. Und wir freuen uns auf das Beisammensein: Meine Mama, ich und die Kinder und so viele Menschen in dieser Zeit. Ja und dann, dann nehmen wir dieses Wertvoll-Gute auf mit jedem Atemzug des Lebens.

Dr. Sebastian Ziera, Pfarrer im Schwesternkirchverbund der Leipziger Gemeinden Apostel, Bethanien, Heiland, Hoffnung und Tabor

Foto: Lehmann

Alles schon dagewesen

Weggesperrt wie Tiere – so fühlten sich Heimbewohner eines Pflegeheimes. Der Selbstbestimmung beraubt. Das Dilemma ist groß: Einerseits die Notwendigkeit die Ausbreitung des Virus zu verhindern, andererseits die Grenzen unserer westlichen Medizin, die zuerst auf den Körper und selten auf die Seele schaut. Per Patientenverfügung kann jeder über sein Sterben entscheiden. Aber hier wird die eigene Entscheidung unter Abwägung des Risikos, vielleicht ein letztes Mal die Angehörigen zu sehen und zu sprechen, um dann in seelischer Ruhe sterben zu dürfen, verweigert. Abstand bedeutet hier Ausgrenzung und Einsamkeit. Alles schon mal dagewesen. Zurzeit von Jesus. Da hieß es Lepra-Aussatz, nicht Corona. Auch diese Menschen wurden isoliert. Jesus lief nicht weg, als ein Aussätziger in seiner Verzweiflung auf ihn zukam. Er hielt keinen Abstand. Jesus hatte Mitleid, streckte ihm die Hand entgegen. Der Aussätzige verändert sich, so als ob er gesund würde. Nicht durch eine Impfung, sondern durch die Nähe und Anteilnahme von Jesus. Wie wir miteinander umgehen und welches Risiko wir eingehen wollen, muss jeder selbst entscheiden – aber wir sollten nicht vergessen, dass ein Mensch mehr ist als das Ergebnis eines Corona-Tests und einer Warn-App.

Pfarrerin Ines Schmidt, St. Laurentiuskirchgemeinde Leipzig-Leutzsch, Flughafenseelsorgerin FH Leipzig-Halle

Foto: Wodicka

 

Reaktionen auf den Impuls der Woche:

 

Sehr geehrtes Team der Öffentlichkeitsarbeit,
mein Name ist Juliane Kronberg. Ich gehöre zur Leutzscher Kirchgemeinde und arbeite als Hausärztin in Markranstädt.
Als ich den „Impuls der Woche“ von Pfarrerin Schmidt gelesen habe, fragte ich mich, was sie damit ausdrücken wollte.
Vielleicht wollte sie mit ihrem Beitrag einfach nur darauf hinweisen, wie einsam Menschen sein können und wie wichtig menschliche Nähe ist. Das betrifft übrigens nicht nur Pflegeheimbewohner (wobei die meisten meiner Patienten, die im Pflegeheim wohnen, sich durch die dortige Gemeinschaft weniger einsam fühlen), sondern noch viel mehr alte und auch jüngere Menschen, die allein leben.
Von Frau Schmidt erfuhr ich, dass sie sich mit dem Zitat „Weggesperrt wie die Tiere“ auf einen Artikel in der LVZ vom 31.12.2020 bezieht und mit ihrer Argumentation eine kontroverse Diskussionen anregen wollte. Diese Einladung nehme ich auf diesem Wege gerne an.
In besagtem Zeitungsartikel beklagten Pflegeheimbewohner, dass nach einem Ausbruch von Covid-19 die Isolation nicht frühestmöglich aufgehoben wurde, weil die nötige Schlussdesinfektion personell noch nicht geleistet werden konnte.
In dem „Impuls“ klingt es jedoch, als würde sich diese Klage pauschal auf alle/viele Pflegeheimbewohner beziehen, die zu ihrem eigenen Schutz von Vorsichtsmaßnahmen getroffen sind und als dürfte kein Pflegeheimbewohner zurzeit Besuch empfangen.
Im ersten Lockdown berichteten mir die Pflegenden, dass das Besuchsverbot spürbare Unruhe bei vielen, vor allem demenzkranken, Bewohnern bewirkte. Seit Anfang Mai jedoch dürfen die Bewohner von Pflegeheimen und betreutem Wohnen wieder von ihren Angehörigen besucht werden. (Seit Anfang Dezember ist hierzu zum Schutz der Bewohner ein Corona-Schnelltest notwendig.)
Zwei meiner Patienten sind im Krankenhaus verstorben, weil sie sich dort leider mit Covid-19 infiziert haben. Ihre Angehörigen durften auch dort jeden Tag bei Ihnen sein, um sie an ihrem Lebensende zu begleiten.
Die Begleitung Sterbender war ausdrücklich in jeder Corona-Verordnung ein Ausnahmegrund für Kontakt-Beschränkungen.
Ich sehe zwar, dass es viele Betreuungseinrichtungen gibt, in denen der Pflegekräftemangel und wirtschaftliche Unzulänglichkeiten der wünschenswerten menschlichen Nähe und Zuwendung im Wege stehen.
In den beiden Pflegeheimen jedoch, die meine Kollegin und ich in Markranstädt betreuen, erlebe ich eine liebevolle und fürsorgliche Betreuung durch die Pflegekräfte. Mindestens einmal im Monat besuche ich dort meine Patienten und von keinem habe ich seit dem Beginn der Kontakt-Beschränkungen je eine derartig heftige Klage vernommen, wie ich sie in dem Impuls stellvertretend für alle Pflegeheimbewohner verstanden habe.
Um die Bewohner vor einer Infektion zu schützen, lassen die Pflegenden zweimal pro Woche einen unangenehmen Test über sich ergehen.
Die Formulierung „weggesperrt wie Tiere“ pauschal für alle Pflegeheime zu benutzen, birgt meiner Ansicht nach eine fehlende Anerkennung für all das, was die Pflegenden hier leisten, mit und ohne Pandemie. In einem Beruf, der nach wie vor viel zu schlecht bezahlt wird, leisten sie hier nämlich großartiges.
Ich weiß, dass auch ältere Menschen eine Covid-19 Infektion ganz oder relativ unbeschadet überstehen können. Wer an Covid-19 stirbt, stirbt allerdings meistens an Lungenversagen. Die Formulierung „um dann in seelischer Ruhe sterben zu dürfen“ finde ich deshalb in diesem Zusammenhang mehr als deplatziert.
Ein weiterer Punkt, dem ich ganz klar widersprechen muss, ist die Aussage am Ende des Textes, dass jeder für sich selbst einschätzen muss, welches Risiko er eingehen möchte. Grundsätzlich muss jeder für sich selbst z.B. bei medizinischen Eingriffen Nutzen und Risiko abwägen, das ist richtig.
In einer Pandemie allerdings bedeutet eine eigene Infektion auch immer ein Ansteckungsrisiko für weitere Menschen. Somit trägt jeder, der sich willentlich einem erhöhten Ansteckungsrisiko aussetzt, auch die Verantwortung für andere Menschen.
Zusätzlich besteht das Problem, dass das Gesundheitssystem stark gefordert und in vielen Bereichen überlastet ist. Jeder neue Erkrankte wird eine zusätzliche Belastung bedeuten. Auch als PfarrerIn sollte man diese Tatsache nicht ignorieren.
Den Biblischen Bezug zu Jesu Umgang mit Leprakranken zu suchen, ist an dieser Stelle in meinen Augen auch nicht gut gelungen.
In Matthäus 8 bzw. Markus 1 heilt Jesus einen Aussätzigen, indem er ihn berührt, und bittet ihn, niemandem davon zu erzählen. Außerdem möchte er zeigen, dass er sich an das Gesetz hält, und bittet darum, vorgeschriebene Opfer darzubringen.
Bei Lukas 17 heilt Jesus 10 Aussätzige, allerdings wahren hier alle den hygienischen Abstand. Hier fragt Jesus, warum nur einer von ihnen, ein Samariter, in Dankbarkeit zurückkommt.
Er gibt außerdem an einigen Stellen in den Evangelien seinen Jüngern den Auftrag, Aussätzige zu reinigen.
Die Absonderung von Leprakranken war damals eine wichtige hygienische Maßnahme, die vermutlich allgemein akzeptiert wurde. Dass Jesus sich ihnen genähert hatte, war nicht das aufsehenerregende in den Geschichten.
Tatsächlich ist es auch heute möglich, unter Wahrung der hygienischen Schutzmaßnahmen Nähe und Fürsorge oder einfach nur Interesse zu zeigen. Für seine Nachbarn einzukaufen oder Menschen anzurufen, die alleine leben, kann einsamen Menschen helfen.
Vielleicht hätte man im „Impuls der Woche“ den hygienisch geschützten Kontakt zu einsamen Menschen anregen können, anstatt die Sinnhaftigkeit der Hygienemaßnahmen aus dem Auge zu verlieren. Und das Problem besteht auch nach der Pandemie weiter. Auch ohne „von oben“ auferlegte Kontaktbeschränkungen fühlen sich viele Menschen oft von ihren Angehörigen abgeschoben, wenn sie in betreuenden Einrichtungen untergebracht werden (sollen).
Deshalb möchte ich diesen „Impuls“ nutzen und dazu anregen, einen wachen Blick für die zu haben, die ausgegrenzt sind oder oder sich ausgegrenzt fühlen. Ihnen wie Jesus offen entgegenzutreten, damit sie mit Gottes Hilfe Heilung an (Körper und) Seele erfahren können.

Mit freundlichen Grüßen
Juliane Kronberg
(per E-Mail vom 18.1.21)

 

Wir sollten vorbereitet sein

Noch vor Silvester lagen an den Sammelplätzen Haufen von Weihnachtsbäumen. Für viele Leipziger war Weihnachten am 26. Dezember vorbei. Für diejenigen von uns, die mit dem Kirchenjahr leben, ging Weihnachten frühestens am Mittwoch zu Ende, dem Fest Epiphanie, oder morgen mit dem Fest Taufe des Herrn.

An diesem so seltsamen Weihnachtsfest und dieser Weihnachtszeit ab dem 25. Dezember habe ich mich mehr noch als in den vergangenen Jahren gefragt, woher all dieses Sentimentale bis oft Kitschige kommt, das für viele Weihnachten ausmacht. Wie kam es, dass Weihnachten mit so viel sentimentalem Ballast aufgeladen wurde, mit süßlichen Liedern, niedlicher Dekoration usw.

Sicher, in den Kirchengesangbüchern stehen auch manche alte Lieder mit Verniedlichungen. Aber die Texte aus der Bibel, die in den Tagen von Weihnachten bis Epiphanie gelesen werden, behandeln alles andere als niedliche Begebenheiten. Ja, die frohe Botschaft heißt: Gott zeigt sich ausgerechnet in einem kleinen, schwachen Kind. Aber dazu heißt es: Ein Volk stöhnt unter einer Besatzungsmacht. Da findet das Paar für die Hochschwangere keine Unterkunft. Bald flüchtet die junge Familie, weil Mord und Totschlag drohen.

Jetzt wäre die Zeit für eine Rückschau: Was sollte vielleicht künftig an Weihnachten anders werden? Denn davon bin ich überzeugt: Das nächste „normale“ Weihnachten kommt bestimmt. Wir sollten vorbereitet sein.

von Stephan Radig, katholischer Theologe und Online-Redakteur St. Benno Verlag

Foto: Lena Voswinkel

Es kann nur besser werden

An jedem Jahreswechsel besteht die Möglichkeit erwartungsvoll nach vorn zu schauen auf das was im neuen Jahr zu erwarten ist. Dabei kann auch ein Vergleich mit den vergangenen zwölf Monaten anstehen und es kann schnell die Hoffnung aufkommen, dass es nur besser werden kann. Denn deutlich war und ist die Bedrohung und umfassend die Einschränkungen, einschneidend das Leiden und Sterben. Es besteht ja auch die Hoffnung auf die Wirksamkeit und Einsatzfähigkeit der entsprechenden Impfstoffe. In diesem Sinne kann es nur besser werden. Unabhängig von dieser erwarteten Entwicklung, können alle, die weiterhin Lebenszeit geschenkt bekommen, dafür dankbar sein, dass sie die Möglichkeit haben die Schönheiten des irdischen Lebens wahrzunehmen. Wer in dieser Weise empfangend ist, hat auch allen Grund der Jahreslosung für das Jahr 2021 nachzukommen. Jesus Christus spricht im 6. Kapitel des Lukasevangeliums: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“ (Vers 36). Gott, der himmlische Vater schenkt seine Barmherzigkeit denjenigen, welche nicht so leistungsfähig sind, wie manche, denen große Begabungen zu teil wurden. Er sieht sie mit seinen liebenden Augen an und wird sie einst in seine Geborgenheit aufnehmen, unabhängig davon, was sie an Bleibendem hinterlassen haben. Deshalb kann es für dieses Jahr ein Vorhaben sein, sich Menschen zuzuwenden, die der Hilfe bedürfen und einsam sind.  Barmherzigkeit von Gott und Jesus Christus geschenkt zu bekommen ist eine große Gnade. Dieses Geschenk zu teilen und anderen von der Kraft etwas zukommen lassen, die einem selbst gegeben ist, ist ein guter Auftrag, dessen Erfüllung auch dazu beitragen kann, dass das neue Jahr ein besseres Jahr wird. In diesem Sinne wünsche ich allen ein gesegnetes Jahr 2021.

Pfarrer Dr. Peter Amberg, Christuskirche Eutritzsch

Grafik: Lotz

Was ist das für ein Weihnachtsfest?

Was ist das für ein Weihnachtsfest in diesem Jahr? Alles ist anders, nichts mehr scheint normal zu sein.

In der ursprünglichen Weihnachtsgeschichte scheint jedoch auch vieles nicht normal zu sein: Maria und Joseph müssen nach Bethlehem gehen, weil der Kaiser es so will. Maria ist hochschwanger. In Bethlehem ist kein Platz für sie. Die Geburt lässt sich nicht mehr aufschieben. Ein Stall muss genügen. Und eine Krippe für das Kind, das ist im Grunde unzumutbar.

Doch genau das ist Weihnachten: Gott kommt in einem Kind in unsere Welt, hören wir später. Genau dorthin, wo sich Menschen in sehr schwierigen Lebensumständen befinden. Jesus ist geboren, der später von sich sagt: „Ich bin das Licht der Welt“.

Was ist das für ein Weihnachtsfest in diesem Jahr? Sicher kein normales Fest. Aber im Kern ist Weihnachten dort, wo Menschen in der Nachfolge dessen, der zu Weihnachten geboren wurde, für mehr Licht in unserer Welt sorgen: Menschen, die in Krankenhäusern, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, Pflegeheimen, oder anderswo das Beste geben. Mütter und Väter, die versuchen, auch in diesen Zeiten Beruf und Familie zu vereinen. Da sind Menschen, die dem bewussten Unterlaufen von Infektionsschutzmaßnahmen klar entgegentreten, um das Leben anderer zu schützen. Manche sind sehr fantasievoll und machen Mitmenschen eine Freude oder unterstützen sie auf vielerlei Weise. So kommt das Licht der Heiligen Nacht in unsere Welt, in unser Leben. So dürfen wir auch in diesem Jahr Weihnachten feiern. Trotz allem.

Foto: Müller

Dieses Weihnachten werden wir nicht so schnell vergessen,

das steht fest! Weihnachten im Lockdown: ohne Weihnachtsmarkt, ohne die Weihnachtsfeier mit der ganzen Familie, die von überall her anreist. Gottesdienste am Heilig Abend ohne „O du fröhliche“ und „Stille Nacht“ – das hatten wir noch nie.

Viele werden sich „fehl am Platz“ fühlen – eigentlich wollten sie ganz woanders sein am Heiligen Abend. Das jedenfalls haben sie mit Maria und Josef gemeinsam. Die wollten auch nicht in Bethlehem sein und schon gar nicht in einem Stall, als ihr erstes Kind zur Welt kam. Zwar hätte Maria sich gewiss eher ihre Mutter oder eine Freundin an ihrer Seite gewünscht als die Hirten vom Feld, die die Engel zu ihnen geschickt hatte – aber immerhin – die unbeholfenen Worte der Hirten haben ihr Herz erreicht. Ein schwacher Trost ist besser als gar keiner.

Hilft das dem jungen Mann in der Psychiatrie, der wegen Corona kaum Besuch bekommen kann oder der alten Dame im Seniorenheim, die in den letzten Jahren zu Weihnachten immer von ihren Kindern abgeholt wurde? Wahrscheinlich am ehesten dann, wenn sie in diesen Tagen auch mal sagen können: Dich / Sie schickt mir der Himmel – und sei es bloß, dass ein Gruß sie erreicht oder auch Musik an ihr Herz dringt, die sie tröstet.

Ich hoffe ehrlich gesagt, dass die „Engel“ von heute sie spüren lassen: Du bist nicht vergessen, von mir nicht, von Gott nicht.

Engel mit Flügeln habe ich noch nie gesehen – solches mit zwei Beinen schon viele.

Pfarrerin Ruth Alber, Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde im Leipziger Süden

Foto: Lotz

Heiland?

In Liedern und Geschichten zum Advent ist oft vom „Heiland“ die Rede. Bis zum Heiligabend, wenn es in der Weihnachtsgeschichte heißt: „… denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der HERR, in der Stadt Davids.“ Als Kind hatte ich lange keine Ahnung, was das Wort bedeuten sollte, aber es hörte sich wohltuend an und ich verband mit ihm ein angenehmes Gefühl.

Wenn ich heute nach diesem Gefühl suche, finde ich es ganz woanders. Dann sitze ich abends lesend. Mein mittlerer Sohn geht vorbei und fährt mir unerwartet mit seinen Fingerspitzen durchs Haar. Eine komische Angewohnheit könnte man denken. Aber was sie in mir auslöst ist erstaunlich. Es rieselt mir den Rücken hinunter vom Scheitel bis zur Zehe. Wärme breitet sich aus. Fast meine ich für einen Moment zu schweben. In dem kleinen Ereignis erfasst mich eine große Erkenntnis. Wenn ich mich wohl auf dieser Welt und in meinem Leben fühle, dann sind dafür viel häufiger andere verantwortlich, als ich selbst.

Die Tragweite dieser Erfahrung muss man erst einmal zulassen können. Sonst sind wir ja für alles immer selbst zuständig. Legen viel Wert darauf, die Dinge möglichst fest in der Hand zu behalten. Hilfe annehmen ist eine schwierige Sache. Im Advent ist „der Andere“ mit dem alten Wort „Heiland“ benannt, auf den wir warten, damit er uns rettet und segnet. Das kribbelt und wärmt.

Lüder Laskowski, Pfarrstelle für „Kirchliche Arbeit in neuen Stadtquartieren“

„Mit Worten berühren“

„Mit Worten berühren“, so lautete der Titel eines Vortrages, der mich sehr berührt und inspiriert hat. In diesen Tagen geht er mir wieder durch den Kopf. Wie kann man Abstand halten und trotzdem Menschen berühren, Kontakte beschränken und trotzdem in Verbindung bleiben, sich fern halten und dennoch Nächstenliebe zeigen?

Derzeit veröffentlichen Leipziger Kirchen in Zusammenarbeit mit der LVZ einen digitalen Adventskalender, in dem jeden Tag ein kleines Videotürchen mit einer Geschichte, hoffnungsvollen Bildern oder auch Tönen erscheint. Zu finden sind die Videos über die Internetseite der LVZ unter „Lokales“ und auf adventskalender-leipzig.de.

Viele Gemeinden bieten zusätzlich Gottesdienste im Internet an. Menschen können online füreinander beten auf der Gebetsplattform www.beten.digital. Manche berühren auch mit Bildern, so zum Beispiel @Hoffnung_im_advent auf Instagram. Analog gibt es wöchentliche Telefonandachten unter 0341/9999990.

Dies sind nur einige Beispiele. Es gibt in dieser Advents- und Weihnachtszeit viele Möglichkeiten sich berühren und inspirieren zu lassen. Lassen Sie uns das nutzen und weitergeben! Wo sind Menschen, die einsam sind, oder die sich über einen (weitergegebenen) Adventsgruß freuen würden und, wie können wir sie erreichen? Lassen Sie uns füreinander da sein und mit Worten, Bildern, Briefen und vielen kreativen Möglichkeiten berühren.

Pfarrer Sebastian Keller, Ev.-Luth. Kirchenbezirk Leipzig

Foto: Lehmann