Dankbar sparen

Thanksgiving Day ist in Nordamerika das Familienfest schlechthin und wird groß gefeiert. Fast jeder kennt aus Hollywoodfilmen und Fernsehserien Tischszenen mit dem großen Truthahn in der Mitte. Bei uns ist das Erntedankfest hingegen in den Hintergrund geraten. Auf dem Land gibt es noch die hoch aufgezogenen Erntekronen. In den Kirchen stehen bunte Körbe mit Erntegaben, dazu gibt es den Duft von gerade geernteten Äpfeln und frisch gebackenem Brot. Aber in der Stadt merkt man kaum, dass an diesem Wochenende Erntedank gefeiert wird.

Der Gedenktag tritt in diesem Jahr eher durch die Hintertür ins Bewusstsein. Lange waren sichere Lebensgrundlagen eine Selbstverständlichkeit. Jetzt sind sie wieder im Gespräch. In einem heißen Sommer wurde das Wasser knapp. In manchen Gegenden ging das Trinkwasser aus und musste mit Tankwagen geliefert werden. Die Lebensmittelpreise sind unter anderem deshalb stark gestiegen und ich sehe ältere Menschen im Supermarkt, die zögerlich jede Ausgabe abwägen.

Erntedank könnte darum in diesem Jahr in ganz neuer Form sehr zeitgemäß wiederentdeckt werden. Der Dank für die Lebensgrundlagen würde sich in Verantwortungsgefühl äußern. Weniger Ressourcenverbrauch verstünde sich nicht als Verzicht oder Zwang, sondern als direkter Ausdruck tiefer Dankbarkeit.

von Lüder Laskowski
Pfarrstelle für „Kirchliche Arbeit in neuen Stadtquartieren“ in Leipzig

Erntedankaltar, Foto: epd Bild

Ist das wirklich so?

Mittagspause. Ich sitze mit meiner Suppe vor dem kleinen Restaurant und beobachte die Menschen. Ein buntes Treiben. Drei Männer gehen laut diskutierend an mir vorbei. Einer von ihnen ruft: „Wer viel hat, der kann auch viel verlieren!“ „Wer viel hat, kann auch viel geben!“ rutscht es mir heraus. Er schaut mich verdutzt an, entgegnet mir: „Ist doch dasselbe!“ und geht weiter.

Nachdenklich löffele ich meine Suppe. Ärger kriecht in mir hoch. Mich ärgert, dass Geben dasselbe sein soll, wie etwas verlieren. Ist das wirklich so? Mich ärgert die Verlustangst, die klammert und alles kontrollieren will.

Dabei kenne ich die Angst sehr gut. Am Ende als Verlierer dazustehen. Draufzahlen zu müssen. Wer will das schon? Da hilft Absichern und Bewahren. In diesen unsicheren Zeiten noch viel mehr. Der Ärger verfliegt. Sorgenfalten zerknittern mein Gesicht. Wie mit der Angst umgehen?

Mir kommt ein Wort von Jesus in den Sinn: Schenkt, dann wird Gott euch schenken; ja, er wird euch so überreich beschenken, dass ihr gar nicht alles fassen könnt. Darum gebraucht anderen gegenüber ein reichliches Maß; denn Gott wird bei euch dasselbe Maß verwenden. (Lukas 6,38)

Das klingt so leicht und gleichzeitig so fremd. Jesus lädt die Menschen ein, neu zu denken. Vertrauen überwindet die Angst. Wer loslässt, wird empfangen. Wenn man es wagt, daran zu glauben, dann werden Dinge geschehen. Ärger und Angst wandeln sich in Mut und Großzügigkeit. So will ich leben.

von Pastor André Krause, dem Leben auf der Spur
Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Leipzig

Foto: pixabay

Sätze gibt`s

Es gibt Sätze, die einem nachgehen.

Zu mir sagte jemand am Anfang des Jahres diesen Satz: „Geh mit der heiligen Aufgabe der Zuversicht!“
Seitdem treibt dieser Satz mich immer wieder um, an. Etwa wenn ich an morgen denke. An das Paar, das ich trauen werde. Sie erzählten mir beim Traugespräch, wie sehr sie sich vor ihrer Zukunft fürchten. Ukrainekrieg, Klimawandel, „die Verträge für unsere Jobs laufen noch bis zum Frühjahr“. Da wird Zuversicht gebraucht.

Wie geht`s Ihnen mit der Zuversicht? Haben sie genug davon oder bräuchten Sie eher welche?

Ich begreife es für mich gerade tatsächlich als Aufgabe, immer wieder dran zu bleiben an dieser Zuversicht.
Wenn ich die vielen Menschen auf dem Biohof in der Nachbarschaft erlebe, die zum Hoffest kommen. Auch im Alltag versuchen Viele, mit mehr oder mit weniger Geld bewusst zu leben, die Natur zu schonen. Da spüre ich, wie ich zuversichtlicher werde.
Und weiter auf der Spur der Zuversicht fließt sie mir zu, wenn ich bete zu der Quelle alles Seins, die ich Gott nenne. Und höre: ‚Schatten und Licht – fürchte dich nicht.´

Und so mit Zuversicht beschenkt, Stück für Stück, Tag für Tag, kann ich wohl morgen bei der Trauung gut diesen Satz sagen:
„Wunderbar, dass ihr den Mut habt, in diesen Zeiten euch trauen zu lassen. Seid gesegnet mit Zuversicht!“

Grit Markert
Pfarrerin im evangelisch-lutherischen Alesius-Kirchspiel im Leipziger Osten und Coach

Foto: Kai G. Fuchs (Fundus)

Vermögen, Talente, Möglichkeiten

Wenn Bankberater vom Vermögen sprechen, meinen sie in der Regel Geld und Besitz.
Im Duden steht unter „Vermögen“: die Kraft oder Fähigkeit, etwas zu tun – und dann auch wieder: Geld und Besitz.

Ein bisschen altmodisch klingt es ja:
Vermögen Sie mich zu unterstützen?
Vermagst du Klavier zu spielen?
oder: Als ich krank war, vermochte ich kaum aufzustehen.

Das Vermögen als Begabung oder Fähigkeit und das Vermögen als Besitz – beide eröffnen Möglichkeiten. Vor langer Zeit galt das auch für den Begriff „Talent“. Das war eine antike Währungseinheit. Und daraus wurde das Talent im heutigen Sinn von Begabung oder Können.

Jesus erzählt von drei Männern, denen ihr Chef Talente anvertraute; und sie sollten was draus machen. Zweien gelang es, das Vermögen zu verdoppeln. Der dritte tat lieber gar nichts, um bloß nichts falsch zu machen – worüber der Chef sehr wütend war.
In der Geschichte ging es Jesus nicht um Vermögenstipps wie einem Bankberater. Seine Botschaft: Was ihr habt oder könnt, das sind Gaben, die ihr nutzen sollt: Nicht um sie als Selbstzweck anzuhäufen oder für sich selbst zu horten, sondern: sie so einzusetzen, dass etwas Gutes draus wachsen kann.

Das gilt im materiellen und im persönlichen Sinn – also: für alles, womit mehr oder weniger vermögende Menschen es vermögen, etwas Gutes anzufangen.

Friederike Ursprung, evangelische Kirchenredakteurin

Foto: pixabay

Soviel Schaum vorm Mund

Von Krisen muss ich nicht schreiben. Davon berichten andere Seiten der Zeitung. Aber, was tun? Wie könnte ich mitten in der Unübersichtlichkeit unserer Weltlage Frieden stiften? Das sollte ich doch, sagt Jesus. Manchmal schweige ich. Sonst versuche ich es, so wie andere auch: informieren, demonstrieren, engagieren, na klar – auch beten.

Mich verwirren Gesprächspartner, die jetzt genau Bescheid wissen. Allein-Schuldige nennen sie beim Namen. Mit bemerkenswertem Schaum vor dem Mund. Sie kennen die Lösungen. Allerdings würden diese von den Mächtigen ignoriert. Sie meinen aus Dummheit, Machtgier, kriminellem Vorsatz. Dann steigt im Gespräch mehr Dampf auf, als damals bei den Corona-Diskussionen.

Ich fürchte, dass wieder Gruben gegraben werden, in die wir miteinander fallen. Gräben quer durch Gespräche, Freundschaften, Familien, unsere Gesellschaft. Das mag um der Wahrheit willen im Extremfall nicht zu verhindern sein. Beängstigend aber, wenn es zum Stil wird. Wenn Verunsicherung das Miteinander zerfurcht.

Mir leuchtet die biblische Weisheit ein, dass jeder Mensch eine Würde hat. Von Gott gesetzt, vom Mitmenschen zu achten. Auch bei Meinungsunterschieden. Für mich sind die Bewahrung von Gesprächskultur und die Achtung vor dem Andersdenkenden das erste, das naheliegende Friedensstiften.

Wolfgang Menz, Sozialpädagoge, der sonntags in die Kirche geht

 

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Mein Alltag unter Gottes Segen

Für Menschen, die gern verreisen, gehört vor dem Antritt ihrer Touren häufig ein Reisesegen dazu. Also ein Gebet, in dem sie Gott um eine gute Zeit unterwegs bitten. Das könnte so klingen: Lieber Gott, lass alles gut gehen. Mögen wir sicher ans Ziel kommen und gesund bleiben. Mögen die Autos, Züge und Flugzeuge, in denen wir sitzen, fehlerfrei funktionieren. Mögen wir uns nicht den Magen verderben.

Reisesegen sind gut und wichtig. Jetzt, da die Sommerferien zu Ende sind und für die meisten von uns wieder Beruf und Schule anstehen, wäre aber vielleicht eine andere Art von Segenswunsch ganz passend. Wie wäre es, wenn ich Gott einfach mal um einen “Alltagssegen” bitte; einen Reisesegen fürs normale Leben quasi?

Vielleicht so: Gott, gib, dass die Schule heute Spaß macht. Dass die Kolleginnen und Kollegen nett sind und ich die Aufgaben meistern kann, die vor mir liegen. Beschütze die, die ich liebe. Mögen wir gesund bleiben und heute Abend zufrieden ins Bett gehen.

Wenn ich darauf vertraue, dass Gott mich auf großer Reise beschützt, dann meint er es ganz gewiss auch im Alltag gut mit mir. Ob auf dem Schulweg, beim Einkaufen oder auf dem Weg ins Bürgeramt – möge unser Alltag gesegnet sein, also von Gott begleitet und behütet!

Daniel Heinze, kath. Kirchenredakteur bei Radio PSR

 

Foto: Pixabay

Die Zukunft ist keine Selbstverständlichkeit

Die wochenlangen Waldbrände in der sächsischen Schweiz, resultierend aus der monatelangen Trockenheit, machen die Auswirkungen des Klimawandels in unseren Breiten deutlich. Das massenhafte Fischsterben in der Oder zeigt wie sehr die Natur rücksichtlosem menschlichen Handeln ausgesetzt ist.

Dass das Verhältnis von Mensch und Mitwelt viel zu lange aus dem Gleichgewicht geraten ist, ist spätestens seit den 1970ern kein Geheimnis mehr. Die Relevanz dieses Wissens für unser Leben zu übersetzen, gelingt allerdings erst einem schwedischen Mädchen, indem es sich 2018 mit einem Pappschild vor den schwedischen Reichstag stellt. Mit seiner einfachen, beharrlichen, sowie deutlichen Art ließ es Millionen von Menschen aufhorchen. Greta Thunberg konfrontierte die Mächtigen der Welt mit einer unbequemen Wahrheit: wenn ihr so weiter macht, wie bisher, zeigt ihr, dass euch die Zukunft meiner Generation auf der Erde egal ist. Mit dieser Botschaft hat sie nicht nur Jubel geerntet.

Gretas Beispiel macht etwas deutlich: Wenn eine 15-jährige es schafft, Millionen von Menschen auf die Straße zu holen, dann stellen Sie sich vor, welche Auswirkungen es haben könnte, wenn jede*r von uns noch etwas umweltfreundlicher, menschengerechter und nachhaltiger als bisher lebte. Und bitte: wenn Ihnen diese Vision auch gefällt, dann lassen Sie uns nicht bei der Vorstellung stehen bleiben, sondern jetzt mit der Umsetzung beginnen.

von Monika Lesch, katholische Gemeindereferentin im Leipziger Osten

 

Foto: Pixabay

Rasend leben?

Ich komme eben aus Frankreich mit hübschen Städtchen und weiter Landschaft. Trotz der hohen Temperaturen war ich angenehm mit dem Auto unterwegs. In unserem Nachbarland darf man auf Landstraßen gerade 80 km/h fahren. Daran halten sich auch fast alle. Mit ausreichend Abstand bewegt man sich entspannt zum Ziel. Selbst nach Fahrten auf der Autobahn, auf der es über weite Strecken mit 110 km/h und maximal 130 km/h voran geht, bin ich ausgeruht ausgestiegen.

Welch ein Unterschied zu Deutschland. Auf dem Rückweg dauerte es nach dem Grenzübertritt keine zwanzig Minuten, bis ich den ersten links blinkenden PS-Boliden mit Lichthupe hinter mir hatte. Die Fahrzeuge wurden schwerer und besaßen im Durchschnitt bestimmt fünfzig PS mehr. Der Geschwindigkeitsunterschied zwischen rechter und linker Spur war enorm. Die Abstände zueinander schrumpften.

„Der gegenwärtige Augenblick ist das Fenster, durch das Gott in das Haus meines Lebens schaut.“ Diesen Satz hat der Mystiker Meister Eckart vor über 700 Jahren aufgeschrieben. Wie sieht es im Haus des Lebens derer aus, die mit hoher Geschwindigkeit über die Autobahn donnern und dann auf wenige Meter an ihren Vordermann heranfahren? Wie sieht es in meinem aus, wenn ich in Gedanken immer schon beim nächsten und übernächsten Termin bin?

von Lüder Laskowski, Pfarrstelle für „Kirchliche Arbeit in neuen Stadtquartieren“ in Leipzig

 

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